Autozulieferer brauchen neue Überlebensrezepte

9. Mai 2003, 13:23
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Berater von A.T. Kearney erwarten sieben Prozent Preisverfall pro Jahr - Auch Lieferanten sollen Markenprofil entwickeln

Wien - Weiter schwer unter Druck befinden sich die Autozulieferer, der in Österreich immerhin viertwichtigste Industriezweig: Der Druck, den die Autohersteller über ihre Einkaufspreise ausüben, verstärkt sich weiter, etwa einem Drittel der Lieferanten droht das Aus, glaubt das internationale Beratungsunternehmen A.T. Kearney. Als Rezept gegen die schwierige Situation raten die Consulter der Branche nun, aus ihren Produkten Markenartikel zu machen, denn: "Kostenmanagement allein kann die Profitabilität nicht mehr sicherstellen", wie A.T Kearney-Autoexperte Christian Heiss am Freitag in Wien feststellte.

Besonders heikel wird die Situation der Zulieferindustrie dadurch, dass ein guter Teil der Hersteller heftig darum kämpft, wieder aus den roten Zahlen zu kommen - Ford, Opel oder Fiat etwa. Die dafür entworfenen Kostensenkungsprogramme bekommen auch die Zulieferer zu spüren. Laut A.T. Kearney wird sich der jährliche Preisverfall von derzeit 3 bis 5 Prozent auf 7 Prozent verstärken - ein Ausmaß, das nicht mehr mit Kostensparen und Rationalisierung hereinzuholen ist. Dazu kommt, dass die Zulieferer immer mehr, oft wenig profitable Tätigkeiten übernehmen sollen.

Einkaufsvolumens wird neu verhandelt

Einen Hebel zur Durchsetzung dieser Ziele verschafft den Autofirmen die Tatsache, dass derzeit ein Drittel ihres Einkaufsvolumens neu verhandelt wird. Dies ist etwa das Doppelte, als auf Basis des normalen Lebenszyklus eines Autos zu erwarten wäre, schätzt Heiss.

Die Zulieferer sollen aus ihren Produkten Marken machen, um entsprechende "Preisprämien" herausholen zu können, schlägt A.T. Kearney nun vor und führt als Beispiel etwa den deutschen Autositzhersteller Recaro an, dessen besonders rückenfreundliche Erzeugnisse zur Kaufentscheidung für ein bestimmtes Auto beitragen können. Bei einer Befragung der Endkunden haben die Berater festgestellt, dass die Autokäufer die großen Zulieferkonzerne aber gar nicht kennen - am ehesten noch Bosch. Am ehesten bekannt sind Reifenhersteller wie Goodyear/Dunlop und Continental oder Elektronikzulieferer wie Blaupunkt. Mit Branchenriesen wie Delphi, Visteon, aber auch Magna können die Kunden wenig bis nichts anfangen.

Markenstrategie nur wenn hochwertig

Die Markenstrategie funktioniert aber nur für Zulieferungen, die hochwertig und für die Kunden zu erkennen sind, räumt Heiss ein. Etwa ein Drittel bis 50 Prozent der österreichischen Zulieferer könnten diesen Weg einschlagen, meint der Berater.

Die Fahrzeug/Zulieferindustrie beschäftigt in Österreich laut Wirtschaftskammer rund 33.000 Menschen und produziert pro Jahr 8,7 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von 8 Prozent an der Produktion ist sie der viertgrößte Industriebereich.(APA)

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    foto: standard/cremer
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