Boom am Balkan

9. Mai 2003, 12:35
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Südosteuropa entwickelt sich vom wirtschaftlichen Nachzügler zum Wachstumsführer - Höhere Wirtschaftsdynamik als EU-Beitrittskandidaten

Wien - Südosteuropa (SEE) ist nach den politischen Veränderungen der letzten Jahre auf dem besten Weg, die Wachstumsregion innerhalb der osteuropäischen Wachstumsmärkte zu werden. Mit der politischen Beruhigung haben Maßnahmen zur makroökonomischen Stabilisierung eingesetzt und die Region auf dem Weg vom wirtschaftlichen Nachzügler zum Wachstumsspitzenreiter in Osteuropa unterstützt. Das geht aus einer Analyse der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) hervor, die Freitagnachmittag im Haus der Industrie präsentiert wird.

Die Region Südosteuropa umfasst die Länder Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Montenegro, sowie die beiden EU-Beitrittskandidaten für 2007, Bulgarien und Rumänien. Mit 55 Millionen Einwohnern leben drei Viertel der Bevölkerung der EU-Erweiterungsrunde 2004 in dieser Region.

Hohe Wechselkursstabilität, gesunkene Inflation

Hohe Wechselkursstabilität und die deutlich gesunkene Inflation stärken zunehmend das Vertrauen der Investoren. Durch das verbesserte Geschäftsumfeld verstärkt sich laut Studie auch das Engagement der internationalen Investoren. Basis dafür seien die Umgestaltung des Rechtsrahmens, die Erhöhung der Rechtssicherheit sowie die Beschleunigung der Privatisierung. Der Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen nach Südosteuropa betrage mittlerweile 3,5 bis 4 Mrd. Euro pro Jahr. "Der Kapitalzustrom aus dem Ausland wird sich in den nächsten Jahren noch erhöhen. Die großen Privatisierungen im Bereich Industrie, Banken und Versorgungsunternehmen werden erst erfolgen", hieß es.

Im Jahr 2002 betrug das Wirtschaftswachstum in der SEE Region durchschnittlich 4,5 Prozent. "Damit erreichte die Wachstumsdynamik in Südosteuropa wie schon 2001 einen fast doppelt so hohen Wert wie in den acht Ländern Mittel- und Osteuropas (MOEL 8), die im Jahr 2004 der EU beitreten werden (MOEL 8: +2,4 Prozent)", sagte Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefökonom der BA-CA.

Hohe Wachstumsdynamik

Mit der internationalen Einbindung der Region in Europa - sowohl politisch als auch wirtschaftlich - sei mittelfristig mit einer hohen Wachstumsdynamik zu rechnen, so dass der wirtschaftlichen Aufholprozess Südosteuropas gegenüber den alten und neuen EU-Mitgliedern beschleunigt werde: "Die Region Südosteuropa wird mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 5 Prozent der Zukunftsmarkt am europäischen Kontinent sein. Der große Vorteil dabei: er liegt direkt vor der österreichischen Haustür", meinte Bruckbauer.

Der hohen Dynamik in der Region stehe derzeit jedoch noch eine relativ geringe Wirtschaftskraft gegenüber, so die Studie. Zum Unterschied zu den acht EU-Beitrittskandidaten habe die Wirtschaft Südosteuropas nicht nur unter den Problemen der Transformation in eine Marktwirtschaft gelitten. Zusätzlich wurde sie durch Konflikte und Kriege belastet. Auch die Teilung des ehemaligen Jugoslawiens, verbunden mit der Auflösung des einheitlichen Wirtschaftsraums und der Unterbrechung der bisherigen Handelsströme wirkte negativ.

BIP noch sehr niedrig

"Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf erreicht in Südosteuropa daher derzeit mit durchschnittlich 2.100 Euro nur 35 Prozent des Niveaus der EU-Beitrittskandidaten", so Bruckbauer. Abgesehen von Kroatien, dessen BIP pro Kopf mit 5.270 Euro mehr als doppelt so hoch sei wie jenes von Rumänien, dem Land in der Region mit dem zweithöchsten Wert, sei das Wohlstandsniveau in Südosteuropa mit einer Bandbreite von 1.300 (Serbien und Montenegro) bis 2.100 (Rumänien) Euro relativ ausgeglichen, hieß es.

Im Jahr 2002 stiegen die Ausfuhren der österreichischen Unternehmen in die Region im Vergleich zu 2001 um 17,4 Prozent auf über 2,7 Mrd. Euro. Damit fiel die Exportdynamik nach Südosteuropa deutlich höher aus als der Anstieg der gesamten österreichischen Ausfuhren mit 4,1 Prozent. Der Anteil der Exporte in die Region nahm 2002 auf 3,5 Prozent der gesamten österreichischen Ausfuhren zu. "Der Handelsbilanzüberschuss mit den SEE Ländern stieg 2002 auf insgesamt 1,6 Mrd. Euro", so Bruckbauer. Mit Abschluss der Verhandlungen über die Gründung einer regionalen Freihandelszone ab Mitte 2003 soll dieser Wachstumsmarkt weitere Impulse erhalten wird.(APA)

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BA-CA

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