Mauthausen Memorial 2003

9. Mai 2003, 11:04
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Vorbereitungen für Feiern am 11. Mai voll angelaufen - Neues Besucherzentrum als sichtbares Ergebnis einer Reforminitiative

Linz - Die Vorbereitungen auf die Feiern am 11. Mai in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich aus Anlass der Befreiung der Häftlinge durch US-Truppen in den ersten Maitagen des Jahres 1945 liefen am Donnerstag auf Hochtouren. Intensiv im Gange waren noch die Arbeiten zur Fertigstellung des neuen Besucherzentrums, das ebenfalls am Sonntag eröffnet werden soll. Es ist das sichtbare Ergebnis einer Reforminitiative des Innenministeriums, mit der das Vermächtnis der Opfer des Nazi-Terrors für künftige Generationen erhalten und in zeitgemäßer Art vermittelt sowie die Zukunft Mauthausens als Zentrum des Gedenkens an die Verbrechen des Nationalsozialismus gesichert werden soll.

Gedenkrede von Multimediakünstler Andre Heller

An der Eröffnung des neuen Besucherzentrums am Sonntag werden der zuständige Innenminister Ernst Strasser, Parlamentspräsident Andreas Khol und der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (alle V) teilnehmen. Es folgen weitere Gedenkfeiern jeweils vor den nationalen Denkmälern. Anschließend beginnt die traditionelle große Gedenkfeier aller Besucher auf dem ehemaligen Appellplatz des Lagers, die Gedenkrede wird heuer der Mulitmediakünstler Andre Heller halten.

200.000 Menschen waren in Mauthausen interniert

Wenige Tage nach dem "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland verkündete Gauleiter August Eigruber bei einer Veranstaltung unter "tosendem Jubel" der Zuhörer - wie der Völkische Beobachter vermerkte, dass in Oberösterreich ein KZ für die "Volksverräter von ganz Österreich" eingerichtet werden solle. Die Österreicher blieben jedoch außer in den Anfangsphase des ab August 1938 bestehenden KZ eine kleine Minderheit. Es diente zur Verfolgung und Vernichtung von politischen Gegnern jeden politischen und religiösen Bekenntnisses, von Juden, Roma und Sinti, von der damaligen "Norm" Abweichenden - Homosexuellen, "Asozialen", von Kriegsgefangenen sowie Angehörigen der eroberten und unterdrückten Nationen aus ganz Europa. Mauthausen erhielt als einziges die "Lagerstufe III"und wurde damit dazu bestimmt, die Funktion eines "Mordlagers" unter den KZ zu übernehmen. Insgesamt waren etwa 200.000 Menschen Häftlinge des KZ-Systems Mauthausen, 100.000 überlebten es nicht.

Eingesetzte Mittel nicht mehr zeitgemäß

Nach der Befreiung diente das Lager noch als Unterkunft für sowjetische Soldaten, 1947 wurde es an die Republik Österreich übergeben, die sich zum Erhalt des gesamten Lagerkomplexes und seiner Umgestaltung in eine Gedenkstätte verpflichtete, die 1949 eröffnet wurde. Über mehrere Jahrzehnte blieb die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Geschichte durch die ehemaligen Häftlinge des KZ lebendig. Doch ihre Zahl wird altersbedingt jedes Jahr geringer. In den vergangenen Jahren wurde die Sorge immer größer, dass das Gedenken damit gefährdet werden könnte, außerdem erschien die Art der eingesetzten Mittel nicht mehr zeitgemäß.

Strasser startete Reforminitiative

Der zuständige Innenminister Ernst Strasser startete deshalb im Herbst 2000 eine Reforminitiative unter Einbindung von Personen und Institutionen, die mit der Gedenkstätte Mauthausen auf unterschiedliche Weisen befasst waren. "Mein Anliegen ist es, Mauthausen als eine internationale Gedenkstätte zu etablieren, deren oberste Priorität die Vermittlung demokratischer Grundwerte sein soll. Zugleich soll damit die Gedenkkultur in diesem Land weiter entwickelt und den Opfern des nationalsozialistischen Terrors ein würdiges Andenken bewahrt werden", nennt Strasser als Ziel.

Neues Besucherzentrum

Als sichtbares Zeichen der Reform gilt das neu errichtete Besucherzentrum, das am kommenden Sonntag eröffnet wird. Mit dem zweigeschossigen Gebäude außerhalb des bisherigen Gedenkstättenareals soll dessen Kernbereich beruhigt werden. Das Zentrum beherbergt ein Archiv, eine Bibliothek und einen Medienraum, die Besuchervorbereitung, Filmvorführ- und Seminarräume, Ausstellungsflächen, Sanitärbereiche, einen Bookshop, eine einfache gastronomische Einrichtung und die Verwaltung der Gedenkstätte. Eine Ausstellung informiert unter anderem über die Geschichte des KZ und der Gedenkstätte. Zudem werden als erstes Ergebnis eines umfangreichen Zeitzeugen-Projektes 20 Videointerviews in Originalsprache mit deutschen - später auch englischen - Untertiteln gezeigt. In einer weitere Stufe der Reforminitiative sollen auch die rund 40 Außenlager des KZ Mauthausen verstärkt berücksichtigt werden.(APA)

  • Artikelbild
    foto: montage derstandard.at
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