EU im Gummi-Anzug

19. Jänner 2011, 19:13
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"Frontex" hört sich an wie eine Präservativmarke - man muss es einmal sagen -, und im Grunde geht es ja auch um das: die ganze EU im Gummi-Anzug, damit nur niemand in Kontakt mit der Flüchtlingswelt da draußen kommt. Wie im wirklichen Leben gibt es natürlich keine Garantien.

"Nothing has changed", sagt Ahmet, der Führer, zur Begrüßung. Knapp drei Monate nach der Entsendung der EU-Grenzschutztruppe Frontex an die griechisch-türkische Grenze haben die illegalen Übertritte von Flüchtlingen aus Asien, Nordafrika und dem Mittleren Osten zwar deutlich abgenommen - wegen Frontex oder der Winterzeit oder beiden. Doch in den Aufnahmelagern in der Evros-Region werden die Flüchtlinge weiter zusammengepfercht, berichten Augenzeugen. Journalisten und Fotografen haben keinen Zugang zu den umfunktionierten Lagerhäusern. Das Aufnahmelager Fylakio in der Nähe von Orestiada, der nächsten größeren Stadt an der Grenze, gilt noch als das erträglichste dieser Flüchtlingsgefängnisse. Es ist auch das einzige, in das ein griechisches Regierungsmitglied bisher seinen Fuß gesetzt hat.

Fylakio heute nachmittag: Der Nebel hängt über dem Land, keine Menschenseele auf dem umzäunten Lagerhof, doch aus dem Innern der früheren Fabrikhalle, hinter vergitterten Fenstern, wo T-Shirts und Hosen hängen, kommt das Stimmengewirr der Insassen, Männer, Kinder, Frauen. Morgens dürfen sie immer kurz raus, sagt der Wachmann. Die Reportage aus dem Evros-Gebiet steht kommenden Wochenende im Standard.

 

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