"Sie haben einen Haftbefehl auf ihn"

17. Jänner 2011, 17:45
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Chefinspektor mit Rotlichtkontakten weist auch Vorwurf des Amtsmissbrauchs zurück

Wien - "Er kann net fortgehen. Sie haben seit letzter Woche einen Haftbefehl auf ihn", sagte der Polizist am Telefon. "Wahnsinn. Wahnsinn", antwortete "Repic" (der "Zopf"), eine damals am Wiener Gürtel gefürchtete Rotlicht-Größe. "Das musst ihm sagen: Er kann net fortgehen", betonte der Polizist noch einmal.

Staatsanwalt Wolfgang Wohlmuth nennt das, was im Protokoll einer Telefonüberwachung steht, Amtsmissbrauch und Verletzung des Amtsgeheimnisses.

In dem in der Vorwoche begonnenen Prozess gegen den Wiener Chefinspektor Franz P. (der Standard berichtete), werden mit dem Angeklagten immer noch die einzelnen Anklagepunkte durchgeackert. In der Vorwoche ging es vor allem um den Vorwurf, dass Franz P. das von "Repic" geführte Lokal "No Name" vor Polizeikontrollen geschützt habe - was der Angeklagte bestritt.

Weist weiterhin Vorwürfe zurück

Auch den Vorwurf des Amtsmissbrauches weist der suspendierte Chefinspektor diesen Montag zurück. Er selbst habe Radenko P., gegen den der Haftbefehl ausgestellt worden war, zur Dienststelle gebracht - und erst nach der Inhaftierung "Repic" informiert, da man gerade zu dritt versucht habe, einen Laptop-Diebstahl aufzuklären.

Richterin Irene Mann hält dem entgegen, dass doch nur jene Beamte, die Festnahmen durchführen, berechtigt seien, Verwandte oder einen Rechtsbeistand zu kontaktieren. Der Chefinspektor behauptet, der Inhaftierte selbst habe ihn gebeten, "Repic" zu informieren. Jener hätte den Festgenommenen sonst "überall suchen lassen", der hätte "sonst halb Wien rebellisch g'macht".

Der Prozess wird fortgesetzt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD-Printausgabe, 18.1.2011)

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