Besser als lauwarmes Chili

15. Jänner 2011, 13:09
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Eva, Viki und Valentin wollen die österreichische Medienlandschaft aufmischen und machen Fernsehen für ihre Altersgenossen

Geschäftig, aber ohne Hektik, geht es in dem kleinen Studio des freien Senders Okto TV zu. Eva Ditzlmüller, Viki Trautmann und Valentin Galic wollen heute ihre erste Sendung für das neue Jahr fertigstellen. "Ein freches Magazin zu den Themen Lifestyle, Musik, Politik und Film, das ausschließlich von Jugendlichen gemacht wird" - so präsentiert sich Teenie Lounge. "Wir sind jetzt ungefähr bei der zehnten Folge", sagt Valentin, der Sendungsverantwortliche. Der engagierte Lehrling und sein Team haben in Februar 2010 das 30-minütige Format erfunden und gestartet.

"Begonnen hat alles mit Handyvideos, die wir gemacht haben. Dann hab ich den Sender Okto gesehen und mir gedacht, dass es cool wäre da mitzumachen", erzählt Valentin über den Start der Teenie Lounge. Er hat vorher zweieinhalb Jahre lang bei CU TV mitgemacht und sich Wissen übers Fernsehen machen angeeignet.

"Alle reden dasselbe"

"Im Fernsehen ist immer das Gleich zu sehen und alle reden dasselbe", meint Viki. Die jungen Medienmacher sind sich einig darüber, dass die österreichische Medienlandschaft zu wenig für Jugendliche bietet. "Es gibt da diese eine Sendung auf ATV", schmunzelt Valentin, "sie spricht Jugendliche an, arbeitet aber im Grunde gegen sie". Gemeint ist die Doku Soap „Saturday Night Fever". In der Teenie Lounge gab es im vergangenen Herbst einen Talk mit der Sendungsverantwortlichen und Christoph Peschek, dem Lehrlingssprecher der SPÖ Wien. Diskutiert wurde darüber, ob die Sendung Jugendliche gezielt verunglimpfe. "Natürlich hat ATV gemeint, sie zeigen nur, wie es ist, aber ich kenne Leute, die mitgemacht haben - sie sagen alles ist gespielt", erklärt Valentin.

Politisch interessiert

Kritisch, aufklärend aber auch politisch wollen die Teenies auf alle Fälle sein, und so haben sie im vergangenen Sommer auch ein Interview mit Hans Christian Strache geführt. "Wir wollten wissen, wieso die Plakate seiner Partei immer so aggressiv sein müssen". Außerdem haben sie den FPÖ-Chef auch mit Meinungen der Wiener Jugendlichen konfrontiert, die sie bei Straßeninterviews gesammelt haben, berichtet Valentin.

Auf die Frage, ob sie finden, dass Jugendliche in Österreich politisch interessiert und engagiert sind, kommen schnelle und durchdachte Antworten. "Unter den Jugendlichen ist es wie unter den Erwachsenen. Es gibt informierte und jene, denen alles egal ist. Manche sind mit 16 reif fürs Wählen und andere mit 20 noch immer nicht", meint Eva.

Ohne Würze

Auch das aktuelle und brisante Thema Integration interessiert die NachwuchsjournalistInnen. "Wenn Migranten in den österreichischen Medien vorkommen, dann sieht man nur Klischees", bedauert Valentin. Für das Jahr 2011 planen sein Team und er eine Balkan Edition der Teenie Lounge. Man wolle sich "auf Ex-Yu konzentrieren" und Inhalte für alle Jugendlichen in Wien aufarbeiten. Unter anderem sollen interessante Bands aus Südosteuropa vorgestellt werden. Ansonsten wird 2011 "alles so laufen wie bisher", meinten die jungen JournalistInnen, denn das Feedback der Zuschauer sei sehr positiv. Wenn sie weiter in die Zukunft schauen, sehen sich Valentin und Eva "auf alle Fälle in den Medien". "Puls 4 fände ich ganz toll - das ist ein junger Sender mit vielen tollen Ideen", meint Valentin, "dort kann man noch was bewegen". Den ORF finden aller drei "langweilig": "ORF fehlt trotz Chlli eindeutig die Würze. Dort ist immer alles zu brav".

  • Das Equipment kommt von Okto. Bei der Produktion von Teenie Lounge sind ausschliesslich Jugendliche am Werk - Viki vor und Eva hinter der Kamera.
    foto: binsar pandjaitan

    Das Equipment kommt von Okto. Bei der Produktion von Teenie Lounge sind ausschliesslich Jugendliche am Werk - Viki vor und Eva hinter der Kamera.

  • Der Sendungsverantwortliche Valentin Galic (re.) ist auch für den Schnitt zuständig.
    foto: binsar pandjaitan

    Der Sendungsverantwortliche Valentin Galic (re.) ist auch für den Schnitt zuständig.

  • Eva möchte auch später "in den Medien bleiben".
    foto: binsar pandjaitan

    Eva möchte auch später "in den Medien bleiben".

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