UNO-Truppen flüchten vor Demonstranten

11. Jänner 2011, 20:42
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Viert Tote in Abidjan - UNO geht von 40.000 Flüchtlingen seit der umstrittenen Wahl aus

Abidjan - In der westafrikanischen Republik Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) sind am Dienstag mindestens vier Menschen bei einem Polizeiübergriff auf ein Wohngebiet in der Küstenmetropole Abidjan getötet worden. Die loyal zum bisherigen Präsidenten Laurent Gbagbo stehenden Sicherheitskräfte rückten am Morgen in einen Bezirk ein, dessen Bewohner bei der Präsidenten-Stichwahl Ende November mit großer Mehrheit für Gbagbos Kontrahenten, den von der Wahlkommission zum Sieger erklärten Alassane Ouattara, gestimmt hatten. UNO-Friedenstruppen wurden von einer Menschenmenge am Eingreifen gehindert und mussten vom Ort des Geschehens fliehen.

Bei dem Überfall sollen laut Augenzeugenberichten auch zwei Polizisten getötet worden sein. Bewohner des Bezirks berichteten, die Sicherheitskräfte hätten zwischen 04.00 Uhr und 05.00 Uhr in der Frühe Razzien in der Gegend durchgeführt. Militante Anhänger Gbagbos hatten in den vergangenen Tagen mehrmals in der Nähe des Bezirks demonstriert. Gbagbo, der sich weigert, den Wahlsieg Ouattaras anzuerkennen, kontrolliert weiter die Sicherheitskräfte. Menschenrechtsgruppen werfen den Sicherheitskräften vor, sie hätten seit der Wahl Hunderte politische Gegner getötet. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) berichtete, seit der Wahl seien rund 40.000 Menschen vor der Gewalt in Nachbarstaaten, in erster Linie Liberia, geflohen.

Berichte, wonach Ouattara einer Machtteilung zustimmen wolle, wurden unterdessen dementiert. Der von Ouattara ernannte UNO-Botschafter Youssoufou Bamba sagte, der rechtmäßige Präsident erwäge die Bildung einer Koalitionsregierung. Voraussetzung sei allerdings, dass Gbagbo das Amt niederlege und auf alle Ansprüche verzichte. Ein Gbagbo-Sprecher wies den Vorschlag aus dem Ouattara-Lager am Dienstag als "Ablenkungsmanöver" zurück.

Ouattara hatte die Wahl nach Feststellung der unabhängigen Wahlkommission mit 54,1 Prozent der Stimmen gewonnen. Der Verfassungsrat, dessen Vorsitzender ein Gefolgsmann Gbagbos ist, rief jedoch den bisherigen Amtsinhaber zum Wahlsieger aus, nachdem eine halbe Million Stimmen mit der Begründung annulliert worden waren, dass in den Hochburgen Ouattaras im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes Anhänger Gbagbos an der Stimmabgabe gehindert worden seien. (APA/dapd)

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