Unstimmigkeiten in Jacksons Todesnacht

7. Jänner 2011, 17:36
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Zeitangaben der Sanitäter und von Leibarzt Conrad Murray passen nicht zueinander

Los Angeles - Conrad Murray gerät immer mehr in Bedrängnis. Seit Dienstag laufen die Anhörungen zu den Todesumständen seines berühmten ehemaligen Patienten Michael Jackson an einem Gericht in Los Angeles. Mithilfe der Einvernahmen soll geklärt werden, ob sich der Leibarzt des verstorbenen "King of Pop" wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten muss. Kommt es zum Prozess, drohen dem Arzt bis zu vier Jahre Haft und der Verlust seiner ärztlichen Zulassung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Bisher läuft es für den 57-jährigen Mediziner nicht gerade rosig. Am Donnerstag hat der zweite Zeuge angegeben, Michael Jackson sei lange vor dem Eintreffen der Rettungskräfte verstorben. Als er kam, sei Jackson wohl bereits seit mindestens 20 Minuten tot gewesen, erklärte Sanitäter Martin Blount. Die Haut des Sängers habe sich bereits kalt angefühlt, die Augen seien starr und geweitet gewesen, sagte der Mann.

Einen Tag zuvor hatte Blounts Kollege Richard Senneff bereits angegeben, dass der "King of Pop" vermutlich 20 bis 50 Minuten vor dem Eintreffen der Sanitäter gestorben sei. Murray hatte gesagt, er habe eine Minute nachdem Jackson aufgehört habe zu atmen die Notrufnummer gewählt. Die Rettungskräfte trafen bereits vier Minuten später beim Sänger ein.

Täglich Propofol verabreicht

Auch in einem weiteren Punkt gibt es Unstimmigkeiten. So erklärten beide Sanitäter, Murray habe verschwiegen, dass er dem Popstar das Narkosemittel Propofol gegeben habe.

Blount berichtete, Murray habe den Sanitätern gesagt, er habe Jackson keine Medikamente verabreicht. Der Arzt habe aber eine Spritze in der Hand gehabt, zudem seien auf dem Fußboden drei Fläschchen mit dem Betäubungsmittel Lidocain gelegen.

Laut Staatsanwaltschaft verabreichte der Leibarzt Jackson das starke Beruhigungsmittel Propofol jeden Abend als Einschlafhilfe. Die Autopsie ergab, dass der 50-Jährige an einer Überdosis des Mittels starb.

Jacksons Leibwächter Alberto Alvarez hat ausgesagt, Murray habe ihn angewiesen, mehrere Ampullen und einen Infusionsbeutel in andere Taschen zu legen, bevor er einen Krankenwagen rufe. Die drei Zeugen waren die Ersten, die Murray und Jackson im Schlafzimmer antrafen.

Nie von Heimgebrauch von Propofol gehört

Richelle Cooper, die in der Notaufnahme des Krankenhauses Dienst hatte, als Jackson eingeliefert wurde, gab an, dass sie nie von Heimgebrauch des Mittels Propofol gehört habe. Bei einer Behandlung mit dem Medikament im Spital müsse medizinisches Personal den Patienten rund um die Uhr bewachen, da Propofol die Atmungsorgane gefährden könne.

Aufnahmen zeigten, dass Murray in den Stunden vor Jacksons Tod elf Anrufe tätigte oder entgegennahm, von denen einige sich über 45 Minuten hinzogen. Die Anklage wirft dem Mediziner vor, den Sänger nicht ordnungsgemäß überwacht zu haben.

Michael Jackson starb am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren. Die Anhörungen zu seinem Tod könnten sich über zwei Wochen hinziehen. (spri, DER STANDARD-Printausgabe, 8./9.1.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Jackson-Fan protestiert vor dem Gerichtssaal in Los Angeles.

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