"Das Ganze Schritt für Schritt angehen"

4. Jänner 2011, 10:29
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Mit nur 21 Jahren gehört Markus Pirmann bereits zum Stammpersonal beim Rekordmeister aus Klagenfurt, auch im Nationalteam hat er bereits erfolgreich debütiert. Über seine Karriereplanung spricht der junge Crack im Interview mit Hannes Biedermann

Klagenfurt - Der zu Saisonbeginn so starke und die Liga dominierende Rekordmeister KAC ist in die Krise gerutscht (zuletzt acht Niederlagen in neun Spielen), mit ihm eines der vielversprechendsten Talente im Kader der Klagenfurter, Markus Pirmann. Der 21jährige sammelte in 34 Spielen zwar 18 Scorerpunkte, konnte zuletzt in acht Partien jedoch nur eine einzige Torvorlage verzeichnen. Von derartigen Formschwankungen lässt sich der Eigenbauspieler der „Rotjacken" jedoch nicht beirren, kürzlich verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag beim Tabellenführer um drei Jahre. Über seine Karriereplanung spricht Markus Pirmann im derStandard.at-Interview mit Hannes Biedermann.

derStandard.at: Herr Pirmann, Sie sind erst 21 Jahre alt, haben aber bereits 129 Bundesligapartien absolviert. Von Kindesbeinen an spielten Sie beim KAC, wie kamen Sie zum Klub?

Pirmann: Als ich noch ein Kind war, spielte mein Cousin, Thomas Hundertpfund, schon beim KAC Eishockey. Mit meinem Vater habe ich mir manchmal seine Trainings angesehen und es dann auch irgendwann selbst probiert. Ich kam mit sechs Jahren zum Klub, habe also die komplette Nachwuchsschule des Vereins durchlaufen.

derStandard.at: Später haben Sie auch in diversen Nachwuchs-Nationalteams gespielt, der größte Erfolg war dabei sicher der Titel bei der U20-B-WM 2009. Wie bitter ist es, bei so einem Turnier Gold zu holen und im nächsten Jahr dann um das Erlebnis World Juniors umzufallen?

Pirmann: Ein wenig Wehmut ist schon dabei, wenn man im Folgejahr aus Altersgründen nicht mehr dabei sein kann. Die heurigen World Juniors laufen ja gerade, Spiele vor 17-18.000 Zuschauern in der Halle von Thomas Vaneks Buffalo Sabres, das ist beeindruckend. Im Vorjahr war es für unseren Nachfolgejahrgang in Saskatchewan ja ähnlich. Einige Mitspieler vom KAC waren dabei, bei ihren Erzählungen wurde ich schon etwas neidisch, das nicht auch erlebt zu haben. Eine österreichische Nachwuchsauswahl, die von tausenden Kanadiern lautstark angefeuert wird und deren Spieler nach den Partien um Autogramme gebeten werden, das ist schon außergewöhnlich.

derStandard.at: Sie haben beim KAC mit 17 unter Emanuel Viveiros in der Kampfmannschaft debütiert, auch heute ist er noch Ihr Coach. Wie würden Sie ihn als Trainertypen beschreiben?

Pirmann: Ich denke, dass wir junge Spieler sehr von Manny Viveiros profitieren, er behandelt und bewertet uns gleich wie ältere, etabliertere Spieler. Das schlägt sich auch in der Zusammenstellung von vier sehr ausgeglichenen Linien mit ausgewogener Verteilung der Spielanteile nieder, was sicherlich eine unserer großen Stärken als Team ist. Außerdem ergänzt er sich da gut mit Co-Trainer Gerald Ressmann, der nach den Mannschaftstrainings noch individuelle Übungen mit uns jungen Spielern macht, wovon wir natürlich auch profitieren.

derStandard.at: In welchen Bereichen kann Markus Pirmann am meisten profitieren, wo sehen Sie Ihre Schwächen?

Pirmann: Aktuell sicherlich im Kraftbereich. Durch meinen Knöchelbruch im Sommer fehlten mir gut zwei Monate Vorbereitung, das versuche ich jetzt im Laufe der Saison mit unserem Individualtrainer Bernhard Sussitz und einem speziellen Programm aufzuholen. Außerdem glaube ich, dass mein Schuss wohl besser sein könnte.

derStandard: Sie belegen derzeit teamintern Rang drei bei den Scorern in Fünf-Gegen-Fünf-Situationen, im Powerplay gelang Ihnen jedoch noch kein Punkt. Woran liegt das?

Pirmann: Meine Spielanteile in Überzahl sind sehr beschränkt, da stehen andere Spieler in der Hackordnung einfach vor mir. Es ist aber sicherlich eines meiner nächsten Ziele, mich so weit im Team zu etablieren, dass ich auch im Powerplay die Chance erhalte, mich zu beweisen.

derStandard.at: Stichwort Ziele: Wie sehen Ihre nächsten Karriereziele aus?

Pirmann: Ich möchte das Ganze Schritt für Schritt angehen. Zunächst will ich wie erwähnt meine Spielanteile erhöhen, mich hier beim KAC empfehlen. Daher habe ich kürzlich auch meinen Vertrag um drei Jahre verlängert, ich denke einfach, dass ich mich als Spieler hier sehr gut weiterentwickeln kann.

derStandard.at: Das Ausland ist also vorerst kein Thema?

Pirmann: Natürlich kann ich mir sehr gut vorstellen, einmal für ein Jahr ins Ausland zu gehen, dort meine Erfahrungen zu sammeln - etwa in Schweden. Aber ich bin nicht der Meinung, dass es ein unbedingtes Muss ist, die erstbeste Gelegenheit zu ergreifen und wegzugehen. Wenn die Rahmenbedingungen passen, kann man sich als Eishockeyspieler in meinem Alter auch in Österreich gut entwickeln. Es gibt ja leider mehrere Beispiele für Kollegen, die nach einem Auslandsabenteuer nicht unbedingt bessere Eishockeyspieler waren als zuvor, etwa weil sie kaum Eiszeit bekamen. Aus Österreich wegzugehen, nur damit man im Ausland spielt, halte ich für wenig zielführend, vielmehr sollte das Komplettpaket stimmen und eine positive Entwicklung ermöglichen.

derStandard.at: Sie haben letztes Jahr in Budapest gegen Norwegen im A-Nationalteam debütiert und sich dabei gleich mit einem Tor eingestellt. Der Startschuss für eine erfolgreiche Länderspielkarriere?

Pirmann: Auch hier gilt: Schritt für Schritt. Natürlich möchte ich Österreich einmal bei einer WM oder gar bei Olympischen Spielen vertreten, aber es wäre vermessen, jetzt darüber zu philosophieren. Mein erstes Ziel ist es, mich bei meinem Klub zu etablieren. Wenn mir das gelingt und ich hier meine Leistungen abliefere, dann denke ich weiter. Überzeuge ich hier, ist der KAC sicher kein Verein, dessen Spieler bei Nationalteam-Nominierungen übersehen werden. (derStandard.at; 4. Jänner; Hannes Biedermann)

Stats&Facts | Markus Pirmann 2010/11

34 Spiele, davon 10 als 13.Stürmer
17,65% in der ersten Linie, 82,36% in der dritten oder vierten Linie
18 Scorerpunkte (8 Tore, 10 Assists)
Längster Scoring Streak: 5 Spiele (Runde 16-20)
4 Game Winning Points (teamintern Platz 4)
Bei 17,39% der Game Winning Goals des Teams am Eis
18 Scorerpunkte bei 5-gegen-5 (teamintern Platz 3)
bei 17,19% der erzielten und 12,00% der kassierten Tore des Teams am Eis
Plus/Minus Rating: +10

  • Nach 21 Punkten im Vorjahr hält Markus Pirmann aktuell bereits bei 18 Zählern und ist auf dem besten Weg zu einem neuen Karriererekord.
    foto: johann pittner

    Nach 21 Punkten im Vorjahr hält Markus Pirmann aktuell bereits bei 18 Zählern und ist auf dem besten Weg zu einem neuen Karriererekord.

  • Aus der traditionsreichen Wahl zum "Kärntner Eishockey-Superstar des Jahres" von Radio Kärnten ging Pirmann 2010 als Sieger hervor.
    foto: lpd/bodner

    Aus der traditionsreichen Wahl zum "Kärntner Eishockey-Superstar des Jahres" von Radio Kärnten ging Pirmann 2010 als Sieger hervor.

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