Mit Postmonopol fällt auch Strafporto für Briefe

29. Dezember 2010, 18:48
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Neue Regelung ermöglicht Gratiszustellung, Ausweichmanöver für Pakete in die USA

Wien - Mit Briefen hat die heimische Post derzeit ihre liebe Not. Einerseits sorgt die Einschränkung im US-Postversand für einigen Unmut und bereits für Ausweichmanöver nach Deutschland. Andererseits hält sich hartnäckig das Gerücht, dass ab 1. Jänner viele Inland-Briefe vorerst gratis zugestellt werden könnten, weil es kein Strafporto mehr gibt.

Aber der Reihe nach: Wie berichtet, dürfen aufgrund einer Antiterror-Bestimmung der US-Transport-Sicherheitsbehörde (TSA) Briefe und Pakete in die USA, die schwerer als 499 Gramm sind, nicht mehr "normal" aufgegeben werden. Als Ersatz kann die Post nur den wesentlich teureren Express Mail Service (EMS) anbieten. Dem vertrauen die USA nämlich noch, weil EMS-Poststücke auf ihrem Weg genauer unter die Lupe genommen werden.

Deutschland: kein Verbot 

Weil deswegen gleich einmal 40 statt bisher 10 Euro anfallen können, haben es vor allem Salzburger Packerlschicker in Deutschland versucht. Und siehe da: "Das 600 Gramm schwere Packerl wurde ohne irgendwas angenommen - zum Normaltarif. Es wurde lediglich darauf hingewiesen, dass die Sendung ein paar Tage länger unterwegs sein könnte, weil eine genauere Zollkontrolle stattfinde", berichtet ein Kunde dem Standard.

Auf Nachfrage heißt es bei der deutschen Post tatsächlich, dass man nichts von Verboten im US-Postversand wisse. Damit konfrontiert, verweist die heimische Post wiederum darauf, dass die deutschen Kollegen Packerl und Briefe über 500 Gramm wahrscheinlich gleich der Post-Tochter DHL überlassen. Da es generell zu jedem Land unterschiedliche Tarife gebe, könne es sein, dass jenseits der Grenze Sendungen in die USA billiger seien als der heimische EMS-Service. An den Vorgaben des US-Heimatschutzministeriums könne man aber leider nichts ändern.

"Return to sender"

Das Gerücht, dass ab Jänner kein Strafporto mehr für unterfrankierte Briefe eingehoben wird, stimmt. Mit Ende des letzten Postmonopols, nämlich auf die Zustellung von Briefen unter 50 Gramm, ändern sich auch steuerrechtliche Bestimmungen, weshalb Briefträger das Strafporto nicht mehr einheben können. Bei unter- oder unfrankierten Briefen wird die Post deshalb das Elvis-Lied "Return to Sender" singen. Intern soll die Anweisung ergangen sein, dass Briefe ohne Marke und Absender, wenn sie im Inland in einen Briefkasten geworfen wurden, vorerst zugestellt werden. Eine offizielle Bestätigung für dieses geheime Gratis-Service gibt es nicht - aber auch kein Dementi.  (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 30.12.2010)

  • Zu wenig Porto? Zurück zum Absender, heißt es ab jetzt
    foto: cremer

    Zu wenig Porto? Zurück zum Absender, heißt es ab jetzt

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