Peter Kreisky ist tot

27. Dezember 2010, 21:15
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Kurz vor den Feiern zum 100. Geburtstag seines Vaters starb der Jurist mit 66 Jahren auf Mallorca - Einst schrammte er knapp am Parteiausschluss vorbei

Wien/Palma - Peter Kreisky ist tot. Der Sohn von Bruno Kreisky verstarb am Montag bei einer Wanderung auf Mallorca, wie der Standard aus seinem Freundeskreis erfuhr. Ausgerechnet auf jener Insel, auf der sein Vater seine letzten Lebensjahre verbracht hatte. Am Abend stand noch nicht fest, ob es sich um einen Unfall handelte. Peter Kreisky wurde 66 Jahre alt, er verstarb kurz vor dem 100. Geburtstag seines Vaters, der im Jänner in Österreich mit zahlreichen Veranstaltungen begangen werden wird, an denen auch sein Sohn teilnehmen hätte sollen.

Peter Kreisky trug auch schwer an der Last, der Sohn von Bruno Kreisky zu sein und ständig an dem Über-Politiker gemessen zu werden. Und dennoch engagierte sich Peter Kreisky selbst in der Politik, ging aber seinen eigenen Weg, einen Weg der auch von Auflehnung geprägt war.

Kreisky machte Politik bei den sozialistischen Studenten, wo er zum linken Flügel zählte. Und er ging auf direkten Konfrontationskurs zu seinem Vater, als er Demonstrationen gegen das geplante AKW Zwentendorf organisierte. In den 1970er- und 1980er-Jahren war Kreisky bei zahlreichen Basis- und Bürgerinitiativen aktiv, engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und gemeinsam mit dem Republikanischen Club gegen Kurt Waldheim.

Der an der Uni Wien promovierte Jurist arbeitete in der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Arbeiterkammer, er war hauptsächlich mit regionalpolitischen Fragen befasst. Kreisky brachte sich aber immer wieder in die aktuelle Politik ein, er nahm zu aktuellen Themen Stellung, und das war für ihn und andere auch deshalb spannend, weil er damit immer wieder in ein Spannungsverhältnis zu seinem Vater, dem am längsten amtierenden Bundeskanzler der Republik, geriet. Mit der Wiener SPÖ brach er fast, als er sich im Rahmen einer Bürgerinitiative erfolgreich gegen die Verbauung der Steinhof-Gründe wehrte. Prominente Fürsprecher verhinderten schließlich seinen Parteiausschluss.

Kreisky, der mit der Politologin Eva Kreisky verheiratet war, engagierte sich zuletzt im Namen seines Vaters, etwa als Mitglied der Jury zur Vergabe des Bruno Kreisky-Preises für Verdienste um die Menschenrechte. (völ, STANDARD-Printausgabe, 28.12.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Peter Kreisky während einer Pressekonferenz im Jahr 2005

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