Vergewaltigung - Schwedinnen sprechen darüber

22. Dezember 2010, 12:49
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Journalistin löste breite Debatte aus: Schweigen über "Grauzonen" zwischen erwünschtem und aufgezwungenen Sex bis hin zu Vergewaltigung brechen

Stockholm - In Schweden haben die Vorwürfe zweier Frauen gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange eine lawinenartig wachsende Debatte via Twitter über Vergewaltigung ausgelöst. Assange soll die Forderung seiner Partnerinnen nach Anwendung eines Kondoms nicht respektiert und dabei mit einer von ihnen Sex gehabt haben, während sie schlief. Darauf begründen sich auch die strafrechtlichen Vorwürfe gegen den Wikileaks-Gründer. Nun tauschen tausende Schwedinnen ähnliche Erfahrungen unter dem Motto "Prata om det" ("Sprich drüber") aus.

"Riesiger, angestauter Bedarf, über so etwas zu berichten"

Die Zeitung "Svenska Dagbladet" stufte Umfang und Offenheit der bisher einwöchigen Debatte am Mittwoch als "überwältigend" ein. Ausgelöst wurde sie durch Twitter-Mitteilungen der Rundfunkjournalistin Johanna Koljonen. Sie berichtete über eine Party-Bekanntschaft, bei der Sex mit Kondom vereinbart war. Sie genoss die gemeinsame Nacht, wachte aber am nächsten Morgen davon auf, dass der Partner Sex mit ihr hatte. Koljonen berichtete, dass sie weder sofort noch später nach dem Kondom zu fragen wagte.

Ihrer Aufforderung, das Schweigen über solche "Grauzonen" zwischen erwünschtem und unerwünschtem Sex bis hin zu Vergewaltigung zu brechen, folgten tausende und knüpften ihre Mitteilungen mit dem Twitter-Stichwort "prataomdet" zusammen. "Es gibt offenbar einen riesigen, angestauten Bedarf, über so etwas zu berichten", meinte die Mitinitiatorin und Expertin für soziale Netzmedien, Sofia Mirjamsdotter in "Svenska Dagbladet". (APA/dpa)


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Tweets zu #prataromdet

BBC World Service - Radiointerview mit Johanna Koljonen: "Graswurzelbewegung, keine feministische Kampagne"

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