Orange Flecken auf blauer Landkarte

22. Dezember 2010, 13:09
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Zwei Jahre nach Haiders Tod, ein Jahr nach dem Deal mit Strache: Scheuch und Dörfler regieren im FPK-dominierten Kärnten - Das BZÖ kämpft im alten Kernland ums Überleben

Wir befinden uns im Jahre 2010. Ganz Kärnten ist von der FPK regiert. Ganz Kärnten? Nein! Ein vom unbeugsamen BZÖ bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

"Was uns gestört hat, war die Art und Weise", sagt Heinz Joham, "diese Überrumpelungstaktik." Der Vizebürgermeister von Bad St. Leonhard meint damit die Rückkehr der Kärntner Freiheitlichen "unter das blaue Dach", die Uwe Scheuch und Heinz-Christian Strache vor einem Jahr heimlich vorantrieben. Fünf der sieben BZÖ-Gemeinderäte im Lavanttaler 5000-Einwohnerort St. Leonhard stimmten damals für den Verbleib im BZÖ - und damit gegen den landesweiten Trend.

28 Bürgermeister geschlossen von BZÖ zu FPK

Denn St. Leonhard ist heute ein kleiner oranger Fleck auf einer blauen Landkarte. Schon beim gemeinsamen Auftritt von Scheuch und Strache am 16. Dezember 2009 in Wien war klar, Landeshauptmann Gerhard Dörfler, alle Landesräte und Landtagsabgeordneten des BZÖ würden Scheuchs Weg mitgehen. Ein Jahr später steht fest: Auch in den Städten und Dörfern fuhr Josef Buchers BZÖ nur dürftige Ernte ein.

28 Bürgermeister eroberte das BZÖ einst bei der Gemeinderatswahl 2009, die gleichzeitig mit der Landtagswahl geschlagen wurde. Jeder der Ortschefs ist heute bei der FPK, bestätigt Stefan Primosch vom Kärntner Gemeindebund, der die neue politische Situation statistisch aufarbeitete. Eine Mitarbeiterin des Gemeindebunds erklärt auf derStandard.at-Anfrage: "Auf mancher Gemeinde-Homepage steht noch BZÖ neben dem Bürgermeister." Die Erfassung sei "sowieso ein bisschen schwierig", weil manche Stadtoberhäupter ihre Partei nur "Freiheitliche in Kärnten" nennen, da wäre die Abkürzung dann FIK.

BZÖ: Wenige gallische Dörfer

Abgesehen von formalen Details ist die Situation in Kärnten aber politisch recht eindeutig. "Wenn man die Gemeinden und Ortsgruppen durchschaut, gibt es kaum irgendwen, der sich zum BZÖ bekennt oder für das BZÖ eine Arbeit macht", sagt Scheuchs Sprecher Carl Ferrari-Brunnenfeld.

Selbst in St. Leonhard kämpfen die BZÖ-Gemeinderäte offenbar nicht so entschlossen wie Asterix' Gallier von Uderzo & Goscinny. "Wir können mit allen gut reden", erzählt BZÖ-Vizebürgermeister Joham, dass er sich etwa mit Soziallandesrat Christian Ragger (FPK) bestens verstehe. Auch Landeshauptmann Dörfler habe erst kürzlich eine Förderung für den örtlichen Eisschützenverein bezahlt. Joham, der sich selbst als "freiheitliches Urgestein" bezeichnet und schon vor zwanzig Jahren von Jörg Haider fasziniert war, sagt zwar: "Wenn er noch leben würde, hätten sie das nie gemacht." Gleichzeitig attestiert er Scheuch: "Auf lange Sicht war's der richtige Weg."

Petzner sieht ausreichend Potenzial für 2013

Kämpferischer geben sich da schon die verbliebenen Kärntner BZÖ-Politiker im Nationalrat. Der geschäftsführende Landesobmann Stefan Petzner erzählt im Gespräch mit derStandard.at von 60 fixen BZÖ-Mandataren in Kärnten, darunter vier oder fünf Vizebürgermeister, zahlreiche Gemeindevorstände und Betriebsräte. Die würden sich auch zum bundesweiten Funktionärstreffen im Casineum Velden am 30. Jänner einfinden. "Es läuft alles nach Plan", sagt Petzner. Der sei ausgerichtet auf die Nationalratwahl 2013 und die Kärntner Landtagswahl 2014. Allein im südlichen Bundesland zähle man 1200 BZÖ-Mitglieder. Ob es ihn persönlich nicht anficht, wenn er nun Ortsgruppen gründe, wo er einst an der Seite der Landeshauptmänner Haider und Dörfler stritt? "Ich war unter Haider auch geschäftsführender Landesobmann, die Aufgabe ist die gleiche."

Auch der Nationalratsabgeordnete Stefan Markowitz (BZÖ), ein Klagenfurter, glaubt an eine orange Zukunft. "Wir liegen in Kärnten definitiv zweistellig", sagt Markowitz. Die Frage, ob man 2013 wieder in den Nationalrat einziehe, stelle sich für ihn nicht. "Das BZÖ wird es immer geben." Finanziert werde der Aufbau der Kärntner Strukturen allerdings durch die Bundespartei. Petzner: "Die FPK übernimmt die gesamte, überhöhte Parteienförderung."

Grüne: Viele Wähler immer noch verwirrt

Es gebe im BZÖ Kärnten nur zwei Protagonisten, sagt der Kärntner Grüne Rolf Holub: Petzner, der nur ein "Aussendungskönig" sei, und Bucher, der bei den Leuten "doch einen gewissen Stand hat". In Umfragen würden die Orangen aber selbst im ehemaligen Kernland nur zwischen fünf und sieben Prozent dümpeln, glaubt Holub. Doch auch die FPK habe ein Problem. "Viele Wähler glauben noch immer, der Dörfler sei beim BZÖ", zitiert Holub aus einer Umfrage: 18 Prozent säßen diesem Irrtum auf.

Dennoch sagt Holub: "Bei uns ist das Dritte Lager das erste Lager." Darum habe auch ein geschrumpftes Kärntner BZÖ bessere Chancen als anderswo, in einen Landtag einzuziehen. Scheuch-Sprecher Ferrari-Brunnenfeld glaubt das nicht: "Die nächste Nationalratswahl findet vor der Landtagswahl statt. Wenn das BZÖ draußen ist, frage ich mich, mit welchem finanziellen Rückenwind es einen Wahlkampf starten will." Zudem habe das BZÖ nicht einmal genügend Funktionäre, die Plakate kleben.

Keine Rückkehr zur FPK

Laut der "Kleinen Zeitung" plane Petzner daher, seine guten persönlichen Kontakte zu Dörfler und Landesrat Harald Dobernig für eine Rückkehr zur FPK nützen zu wollen. Was ohnehin an Straches und Scheuchs Veto scheitern dürfte, dementiert Petzner vorbeugend. Mit Dörfler verstehe er sich menschlich nach wie vor, politisch kaum mehr. "Es ist schwer, meine Freundschaft zu gewinnen. Das ist der Steinbock", sagt der 29-Jährige über sein Sternzeichen. Begonnene Freundschaften gebe er dann aber nicht leichtfertig auf.

Mit dem Landeshauptmann verbindet den 29-Jährigen laut eigener Auskunft zumindest noch das Telefon. "Wir telefonieren regelmäßig. Dörfler fragt mich auch immer wieder nach meiner politisch-strategischen Meinung." Zuletzt sei das in der Ortstafelfrage der Fall gewesen. (Lukas Kapeller/derStandard.at, 22.12.2010)

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    Am 16. Dezember 2009 stellten Scheuch und Strache das BZÖ vor vollendete Tatsachen.

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    Petzner glaubt an den BZÖ-Verbleib im Nationalrat und die Rückkehr in den Kärntner Landtag.

  • Markowitz: "Das BZÖ wird es immer geben."
    foto: standard\cremer

    Markowitz: "Das BZÖ wird es immer geben."

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    Trotz oranger Zwischenrufe hielt Scheuch die FPK-Reihen geschlossen.

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    Holub: "Viele glauben noch, Dörfler sei im BZÖ."

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    Neue Kärntner Farbenlehre: Stellen Sie sich diese Grafik bitte in Blau vor.

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