Korea ganz groß im Kommen

17. Dezember 2010, 16:45
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Hyundai will nun ganz hinauf: mit dem Mittelklassekombi i40, dem sportlichen FS und einem elektrischen i10

Hyundai setzt zum Überholen an. Von 3,11 Millionen verkauften Fahrzeugen der Marken Hyundai, Kia und Equus (2009) auf runde zehn Millionen bis 2015. Dann sind sie ganz vorne dabei und wollen Ruhe geben. Sich erst mal auf höchstem Niveau konsolidieren. Denn was überhitztes Wachstum anrichten kann, hat Toyota mit plötzlichen Qualitätsproblemen und daraus erwachsendem Imageverlust vorgeführt.

Bis dahin allerdings arbeiten die Koreaner an einer Modelloffensive, die uns in den nächsten zwei Jahren zehn neue Autos bescheren wird. Macht so viel Unternehmungsgeist großzügig, oder konnten sie's einfach nicht mehr erwarten, was die Welt dazu sagen würde, als die Herren und Damen von Hyundai ganz gegen ihre übliche Geschäftspolitik einen Vorgeschmack auf die zukünftigen Aktionen und konkret auf ein Modell gab, das erst in sieben Monaten auf den Markt kommen wird?

Die Rede ist vom i40, der die Nachfolge des Sonata antreten und sich als Mittelklassefahrzeug in die i-Reihe stellen wird. Wobei das Hyundai-"i" Inspiration meint oder Intelligenz oder Innovation, alles schöne Begriffe, die dem so Benannten guttun und in vielen Sprachen funktionieren.

Auch der i40 trägt die Züge des neuen Fluidic-Sculpture-Designs, was Bewegung in einem starren Körper bedeuten möge. Oder die Harmonie einer organischen und skulpturalen Weichheit, die mit Strenge haltbar gemacht wird und ein schönes, aber irgendwie bekanntes Auto formt. Vorne ein wenig Mazda6, hinten ein wenig Opel Insignia und in der Größe exakt am VW Passat ausgerichtet, sind damit auch die Hauptkonkurrenten im Fahrzeugbild zitiert.

Was er allen voraus hat, ist der Radstand (plus 61 mm gegenüber dem Passat), eine scharfe Kante über die Seitenfläche und die geringsten Verbrauchswerte: Mit dem 1,6-GDI-Direkteinspritzer-Benziner und 140 PS und dem downgesizten 136-PS-1,7-CRDi-Diesel soll der i40 neue Bestwerte im Segment setzen. Man spricht von 119 bzw. 113 Gramm CO2 pro Kilometer, was einem Verbrauch von unter fünf Liter im 100-km-Schnitt entspricht. Gleichzeitig steckt dieser Diesel sie alle bei den saftigen Werten wie Drehmoment (330 Nm bei 2000 U/min) und Beschleunigung in den Sack.

Auch innen von fließenden Linien in strengem Konzept bespielt, erfreut sich der zukünftige i40-Fahrer an einem soliden Fahrgefühl, das von einer äußerst steifen Karosserie stammt. Auffällig dabei ist die hervorragende Verarbeitungsqualität, was durch ein gut verpacktes, molliges Fahrgefühl rüberkommt. Alles greift sich fest, solide, vertrauenerweckend an, deswegen fällt es Hyundai offenbar nicht schwer, sieben Jahre Werksgarantie zu versprechen.

Platz gibt's in Hülle und Fülle, und auch der Laderaum des Kombis, der Mitte nächsten Jahres, noch vor der Limousine, nach Österreich kommt, ist üppig dimensioniert (etwas größer als der des Passat), von bester Nutzbarkeit und auf Wunsch mit elektrischer Heckklappe verschlossen.

2012 kommt der i40 mit einem kleineren Benzinmotor und einem Diesel-Elektro-Hybrid, der 136 konventionelle PS mit 30 kW Elektropower kombiniert. Ergebnis: 206 PS Systemleistung, 85 g CO2/ km und drei Liter Verbrauch. Die Verwendung einer Lithium-Polymer-Batterie macht ihn einzigartig in seiner Umgebung und kombiniert die Vorteile hoher Energiedichte mit geringer Hitzeentwicklung, keinem Memory-Effekt und wenig Selbstentladung. Die Ausstattungen richten sich nach dem Mitbewerb und sind vom adaptiven Kurvenlicht bis zum Park Assist System in schöner Vollzähligkeit versammelt.

Und da kommt noch mehr

Was außerdem kommt, ist ein "Utility Coupé", um nicht zu sagen: ein kleiner Stadtsportwagen. Mit dem 2+2-Sitzkonzept in einer kompakt gedrungenen und ein wenig angeberischen Karosserie, fährt der "FS" (Name noch nicht fertig) im Kielwasser des Honda CRZ und tritt gegen ihn, VW Scirocco und Renault Mégane Coupé mit einem 1,6-GDI-Benzinmotor zu 140 PS an. Mit Glasdach, großem Touchscreen, sämtlichen Anschlussstellen für Computerzeugs und dem optionalen 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe DCT wirft sich der FS den jungen, feschen Urbanisten an die Brust und überrascht mit einer Besonderheit: einer dritten Tür für den Einstieg in den Fond, die außer dem Mini Clubman auch keiner hat.

Einen Ausblick auf die fernere Zukunft wirft der "BlueOn". Er schickt einen Permanent-Magnet-Synchron-Elektromotor mit 81 PS in die Schlacht um null Emissionen. Das Kleid leiht ihm der i10, wodurch ein kleines Elektroauto für fünf vorstellbar wird. Der Zwerg haut elektrotypisch ab, als gäb's kein Morgen. Damit man ihn auch wahrnimmt, wurde ihm ein Motorgeräusch untergejubelt, das VESS genannt werden will: Virtual Engine Sound System. Jetzt erklingt gewöhnliches Motorbrummen, aber was den Menschen alles dazu einfallen wird, mag man sich gar nicht vorstellen, wenn man an den Wahnsinn der Handy-Klingeltöne denkt.

Der BlueOn erreicht 130 km/h und hält 140 Kilometer mit einer Batterieladung durch, bevor er für sechs Stunden an die Haushaltssteckdose muss. An einer 380-Volt-Leitung lädt er in 25 Minuten auf 80 Prozent auf. Hyundai ist an nahezu allen Themen der automobilen Zukunft dran, bastelt viel laut Vorbild nach und leistet einen innovativen Beitrag bei der E-Mobilität.

Man wird sehen, ob den ehrgeizigen Koreanern der Lauf an die Spitze gelingt. 2009 belegte man Platz vier der weltgrößten Autobauer. Hinter Toyota, VW und GM. Ziel 2015: Rang zwei, ex aequo mit Volkswagen. (Andreas Hochstöger/DER STANDARD/Automobil/17.12.2010)

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