Christoph Herbst

16. Dezember 2010, 18:22
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Anwalt im Auftrag des Landeschefs

Er ist die juristische Wunderwaffe von Landeshauptmann Erwin Pröll: Der Wiener Wirtschaftsanwalt Christoph Herbst (50) hat wie schon oft für den Landeschef einen Auftrag erfüllt. Schauplatz war diesmal der Wiener Flughafen. Seit Jahren ist es Pröll ein Dorn im Auge, dass am Airport in Schwechat zwei Rote und nur ein Schwarzer im Vorstand sitzen.

Seit Herbst dort den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm, tigerte er sich mit unglaublicher Zähigkeit und mit Arbeitseifer in die Materie. Er weiß über Skylink besser Bescheid als der zuständige Vorstand Ernest Gabmann. Das Verhältnis der beiden ist von gegenseitiger Abneigung geprägt. Aber der Workaholic Herbst wird auch Gabmann überdauern. Jetzt ist er einmal für ein Jahr Vorstandschef am Airport, wer weiß, was dann kommt. Verfassungrichter ist nur eine Option, die ihm offensteht.

Was ihn auszeichnet, sind sein Umgangston und sein Charme. Der geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes ist stets freundlich. Manche meinen, daher könne man auch so schwer einschätzen, was er wirklich vorhat. Seine guten Kontakte zum Land Niederösterreich stammen aus der Zeit, als Herbst an der Universität unterrichtete. Zwei seiner Studenten waren Mitarbeiter von Pröll. Diese haben ihn quasi vermittelt. In den Jahren entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis zwischen beiden.

Für das Land sitzt Herbst in Wohnbaugesellschaften und landeseigenen Beteiligungsgesellschaften. Beim Inzestfall von Amstetten war er einer der Opferanwälte. Er vertrat vor etlichen Jahren im Auftrag Niederösterreichs Passagiere, als die ÖBB streikten. Die Liste der Fälle, wo er für Pröll die Kohlen aus dem Feuer holen musste, ist lang. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er, der sich stets mit rotem Rucksack und Roller fortbewegt, als Aufsichtsrat der Bank Burgenland.

Nach dem Jusstudium in Wien und St. Gallen begann Herbst seine berufliche Laufbahn am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Wien und am Verfassungsgerichtshof. Danach diente er sich in Wien als junger Wirtschaftsanwalt hoch. 1997 verließ er die Großkanzlei DBJ und schloss sich mit seinem ebenso ehrgeizigen Kollegen Christian Hausmaninger zusammen. Ihre gemeinsame Kanzlei wuchs rasant, die größten Deals der Stadt gingen an das Powerpaar. Doch die Beziehung hielt nicht: 2005 trennten sie sich im Unfrieden und fanden neue Geschäftspartner. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17.12.2010)

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