Schon bald: Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs

7. Mai 2003, 13:22
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Erste Tests in Wien - ExpertInnen rechnen noch mit fünfjähriger Entwicklungszeit

Wien - In etwa fünf Jahren könnte es so weit sein: Die Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) per Impfung wird möglich. Ein solches Vakzin gegen Human Papilloma-Viren (HPV) wird derzeit auch an der Universitäts-Frauenklinik in Wien erprobt. Dies erklärte am Mittwoch der kommende Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGG), Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, bei einer Pressekonferenz.

Frühzeitige Erkennung eigentlich nicht schwierig

An sich wäre die möglichst frühzeitige Erkennung von verdächtigen Veränderungen, die zum Zervixkarzinom führen, einfach. Doch dazu müsste jede Frau zumindest ein Mal im Jahr zum Gynäkologen zur einer Abstrichuntersuchung gehen.

Leodolter: "Leider nehmen nur 40 Prozent der Frauen dieses Angebot an. Es gibt in Österreich pro Jahr rund 600 Fälle von Gebärmutterhalskrebs. 200 Patientinnen sterben jährlich an einem Zervixkarzinom." Die Zahl ist in den vergangenen Jahren ziemlich unverändert geblieben.

Chronische Infektion

Doch in Zukunft könnte es möglich werden, diese Form von Krebs überhaupt zu verhindern. Der Wiener Experte: "Weniger als zehn Prozent dieser Karzinome sind HPV-negativ." Das bedeutet umgekehrt, dass mehr als 90 Prozent der Erkrankungen mit dem Human Papilloma-Virus (besonders mit den Stämmen 16 und 18) in Verbindung stehen. 60 Prozent der Frauen machen im Laufe des Lebens eine solche Infektion im Genitaltrakt durch. Bei den meisten ist das Immunsystem so stark, dass es die Viren wieder beseitigt. Doch im Fall einer chronischen Infektion kann schließlich ein Karzinom entstehen.

Die Prophylaxe soll mittels eines Vakzins erfolgen. Leodolter: "Wir impfen im Rahmen einer internationalen Studie mit tausenden Frauen mit einem Vakzin, das gegen die HPV-Stämme 6, 11 (Erreger von Genitalwarzen, Anm.) sowie gegen HPV-16 und 18 schützen soll." Die Hälfte der Probandinnen bekommt einen Scheinimpfstoff (Placebo). Nach vier Jahren wird die Häufigkeit des Auftretens von verdächtigen Veränderungen in den beiden Gruppen analysiert.

Immunschutz begrenzt?

Eine erste Studie, die mit einem ähnlichen Vakzin vergangenes Jahr publiziert worden ist, deutet darauf hin, dass die Strategie Erfolg versprechend ist. Leodolter: "In der Gruppe von Frauen, die dabei mit dem Verum (echten Vakzin, Anm.) geimpft worden ist, kam es zu keinem einzigen Fall eines Zervixkarzinoms. Wir sehen das sehr hoffnungsvoll." Der Impfschutz wird drei Mal verabreicht. Es ist allerdings noch nicht bekannt, wie lange der Immunschutz bestehen bleibt.

Bessere Versorgung bei Frühgeburts-Risiko

Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGG) hat sich unter ihrem derzeitigen Präsidenten, Univ.-Prof. Dr. Norbert Pateisky (Wien), besonders um die Qualitätssicherung in der Gynäkologie bemüht. Pateisky: "Wir haben zwischen 15 und 20 Leitlinien erstellt." Solche Anleitungen für medizinisches Handeln gemäß dem Stand der modernen Medizin decken in jeweils bestimmten Fragen der Heilkunde rund 80 Prozent der Fälle mit gesicherten Empfehlungen ab. Pateisky: "Geplant ist es, im kommenden Herbst auch eine Konsensus-Konferenz (österreichischer Experten, Anm.) zum Thema Hormonersatztherapie abzuhalten."

Eine solche Leitlinie der OEGG gibt es jetzt auch für die Betreuung von Schwangeren, welche das Risiko einer Frühgeburt haben. Der Wiener Gynäkologe und Geburtshelfer Univ.-Prof. Dr. Hanns Helmer: "Die Häufigkeit von Frühgeburten nimmt international zu." So stieg sie in den USA beispielsweise von zehn auf zwölf Prozent der Schwangerschaften (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche). Der Experte weiter: "In Österreich liegt die Häufigkeit bei sieben Prozent."

Während ehemals gefährdete Frauen oft wochenlang bis zum geplanten Geburtstermin am "Wehenhemmer-Tropf" hingen, ist man in den vergangenen Jahren zu einer anderen Strategie übergegangen. Helmer: "Die wochenlange Wehenhemmung hat sich als massiver Irrtum herausgestellt." Mit neuen Medikamenten (z.B. Atosiban) wird derzeit nur noch versucht, eine Frühgeburt bei akuter Gefahr 24 Stunden hinaus zu zögern. In der Zwischenzeit wird die Schwangere in eine spezialisierte Abteilung samt Neonatologen aufgenommen. Die Lungenreifung des Kindes wird durch die sofortige Verabreichung von Cortison bei der vor der Entbindung Stehenden noch möglichst beschleunigt. Die möglichst perfekte Betreuung schützt Mutter und Kind.

Der Wiener Gynäkologe und Endokrinologe Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber ging am Ende der Pressekonferenz auf die WHI-Studie (Hormonersatz) ein. Sein Standpunkt: Im Rahmen der Untersuchung seien Frauen behandelt worden, egal ob sie Wechselbeschwerden hatten oder nicht. Da sei es auch nicht verwunderlich, wenn es zu Nebeneffekten bzw. nicht zur erwünschten Wirkung komme.(APA)

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