8. Mai: Handgreiflichkeiten bei Demo vor Uni Wien

9. Mai 2003, 15:43
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ÖH Uni Wien: Linzer Uni-Rat verprügelte Fotografen und DemonstrantInnen gegen RFS-Veranstaltung

Wien - Am Donnerstag veranstaltete der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) mit rund 40 Personen eine "Kundgebung für Meinungsfreiheit" vor der Uni Wien. Laut ÖH Uni Wien fanden sich rund 70 GegendemonstrantInnen ein. Peter Weiß, Chef des Karolinger Verlages und Unirat an der Kunstuni Linz, prügelte auf mehrere GegendemonstrantInnen ein. Auch Florian Müller, Pressesprecher der ÖH Uni Wien, der ausschließlich zu Dokumentationszwecken fotografierte, wurde laut Aussendung zweimal attackiert.

"Ich finde es mehr als schockierend, dass ein Unirat, der noch dazu selbst einen Presseausweis besitzt, einfach auf DemonstrantInnen und einen Fotographen losprügelt", so Andrea Brunner vom Vorsitzenden-Team der ÖH Uni Wien. "Es wird eine Anzeige wegen Körperverletzung geben. Dann ist es mit der angeblichen Unbescholtenheit von Peter Weiß vorbei. Wir fordern Ministerin Geher auf, Peter Weiß sofort aus dem Unirat zu entfernen. Denn prügelnde Verleger, bei denen etwa der bekennende Faschist Armin Mohler publiziert, haben in den höchsten Uni-Gremien nichts verloren", so Brunner weiter.

Der 8. Mai 1945 war der Tag der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Für diesen Tag hatten die Freiheitlichen Studenten zu einer Buchpräsentation geladen: Der Historiker Robert "Graf" Czernin wollte sein Buch "Vom Liberalismus zur Anarchie" vorstellen - das Rektorat der Uni hat dies aber untersagt, was der RFS zum Anlass genommen hat, unter dem Titel "Wahrung der Meinungsfreiheit an der Universität Wien" zu einer Kundgebung aufzurufen.

RFS-Demo "für Meinungsfreiheit"

Laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes hat Czernin in seinem 1998 erschienenen Buch "Das Ende der Tabus" neonazistische und rechtsextreme Geschichtsfälscher dargestellt, ohne diese Positionen explizit oder offensiv zu vertreten. Man könne für die Sicherheit der Buchpräsentation nicht garantieren, hatte das Rektorat seine Entscheidung begründet.

Rund 50 Vertreter des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) demonstrierten gegen diese Entscheidung und "für die Meinungsfreiheit" auf der Rampe vor der Uni. Von den Reden, die gehalten wurden, war allerdings kaum etwas zu verstehen. Die etwa 60 bis 70 Gegendemonstranten, unter ihnen ÖH-Chefin Andrea Mautz, taten ihren Unmut mit Trillerpfeifen und Sirenen kund und skandierten lautstark: "Nazis raus."

Kritik an Winckler

Nach Reden vom Autor, von RFS-Spitzenkandidat Konrad Weiß und Uni-Rat Gerhard Pendl legten die Freiheitlichen Studenten einen Kranz auf der Rampe nieder. Heftig kritisiert wurde dabei vor allem Uni-Direktor Georg Winckler. Unter ihm sei die Meinungsfreiheit nicht gewährleistet, hieß es. Nach einer Stunde löste sich die Kundgebung wieder auf. Kranzniederlegung ohne Zwischenfälle

Ohne Zwischenfälle verlief am Donnerstag die Kranzniederlegung rechter Burschenschafter des Wiener Korporationsringes anlässlich des 58. Jahrestages der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945. Rund 30 Mitglieder der "AL-Antifaschistischen Linken" verfolgten das Totengedenken der Burschenschafter ruhig. Die Exekutive war stark vertreten: Rund 40 Polizisten und WEGA-Beamte waren im Einsatz. Im Vorjahr hatte ein Fackelzug der Burschenschafter am 8. Mai eine massive Gegendemonstration und auch heftige innenpolitische Debatten ausgelöst.

Anders als im Vorjahr - damals war der ganze Heldenplatz am Mittag Sperrzone - wurde heuer nur der unmittelbare Bereich vor der Krypta lose abgeriegelt. Ein Aufeinandertreffen der rund 70 Burschenschafter mit den linken Aktivisten verhinderten WEGA-Beamte, die sich dazwischen stellten. Die Aktionen der AL beschränkten sich auf einige kleine Plakate, auf denen u.a. "Wehrmacht - Verbrecher Mörder" stand.

Festrede von SS-Veteranen-Vereins-Mitglied und Segen des Militärdekans

Die Burschenschafter - unter ihnen FPÖ-Bundesrat John Gudenus - gedachten mit der Kranzniederlegung in der Krypta des äußeren Burgtores am Heldenplatz der Gefallenen der beiden Weltkriege. Die Festrede hielt Helge Endres, nach eigenen Angaben in der Kameradschaft IV, einem Verein von SS-Veteranen, aktiv. Er war Obmann der Grazer FPÖ-"Bürgerwehr" und Grazer FPÖ-Gemeinderat. Nach einem Verkehrsunfall in alkoholisiertem Zustand legte er im Juni 2002 alle Funktionen zurück. Wie schon im Vorjahr segnete auch heuer Militärdekan Alfred Sammer den Kranz.

Die Kranzniederlegung selbst war auch vor einem Jahr noch ruhig verlaufen. Am Abend des 8. Mai 2002 gab es allerdings einigen Wirbel - aber auch keine ernsthaften Zwischenfälle -, als 400 Burschenschafter ihren Fackelzug hielten und mehrere tausend Gegen-Demonstranten dagegen protestierten.

"Kein Platz dem Rechtsextremismus!

Die ÖH der Uni Wien erinnert mit einigen Veranstaltungen an die Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945: Neben zwei Ausstellungen führt das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) durch die nationalsozialistische und faschistische Vergangenheit der Universität Wien. Den Abschluss des Aktionstages bilden ein - von verschiedenen Gruppierungen gemeinsam organisiertes - "Fest der Befreiung" beim Denkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz und ein Filmabend im Hörsaal II des Neuen Institutsgebäudes (NIG). (APA/red)

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