Operación Puerta und die Büchse der Pandora

13. Dezember 2010, 17:55
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Nach der Dopingrazzia bei Spaniens Leichtathleten droht der verdächtige Arzt Eufemiano Fuentes auszupacken und einen Konnex zum Fußball herzustellen

Wann immer in Spanien Dopingfälle aufgedeckt werden, hat ein Mann quasi seinen Fixplatz für den Verhörsreigen gebucht: Der kanarische Gynäkologe Eufemiano Fuentes alias "Doktor Doping", wie ihn internationale Medien nach der den Radsport erschütternden "Operación Puerta" ("Bergpass") 2006 getauft hatten. Ein Fall, der bis heute seiner juristischen Aufarbeitung harrt.

Fuentes, der als Hausarzt in seiner kanarischen Heimat ordiniert, zählt auch aktuell zu den Verdächtigen, nachdem vergangene Woche Fahnder der Guardia Civil in der "Operación Galgo" ("Windhund") unter anderem die Wohnung der Leichtathletin Marta Domínguez, Weltmeisterin 2009 über 3000 m Hindernis und bis zu ihrer Suspendierung Vizepräsidentin des nationalen Leichtathletikverbandes, durchstöberten.

Drohende Haftstrafen

Landesweit kam es zu Hausdurchsuchungen, bei denen Anabolika, Steroide und andere Hormone, Epo und Blutbeutel konfisziert wurden. Ermittler waren seit April dieses Jahres dem Netzwerk auf der Spur gewesen. Mutmaßliche Mitglieder wurden beschattet und fotografiert, ihre Telefone wurden abgehört. Domínguez, ihr Coach César Pérez, Leichtathletik-Trainer Manuel Pascua, dessen Ehefrau Maria José Martínez, Fuentes und seine Schwester Yolanda, Sportmanager José Alonso Valero, der ehemalige 5000-m-Europameister Alberto García und Ex-Mountainbiker Alberto León gelten als Schlüsselfiguren.

Am Montag wurde bekannt, dass der Leichtathletik-Verband Alemayehu Bezabeh nach einem Dopinggeständnis von der Crosslauf-EM ausgeschlossen hat. Der 24-jährige Europameister von 2009 habe zugegeben, dass er von der Polizei beim Eigenblutdoping ertappt wurde. Bezabeh wird übrigens von Pascua betreut.

"Nicht überrascht, wieder von Fuentes zu lesen" zeigte sich der Präsident des Weltradsportverbandes (UCI) Pat McQuaid. Im Fall des suspendierten spanischen Tour-de-France-Siegers Alberto Contador, der seine positive Probe "verunreinigtem Fleisch" anrechnete, kündigt er noch heuer eine Entscheidung an.

Fuentes, der sich nach seiner Einvernahme "unschuldig" erklärte und auf freiem Fuß bleibt, droht indes mit seinem Szenewissen aufzuwarten. Über seinen Sprecher ließ er wissen: "Wenn ich auspacke, dann heißt es: Adiós Weltmeistertitel und adiós Europameistertitel!" Ein Konnex zwischen Doping und Fußball grenzt in Iberien an Ketzerei.

Lockere Zunge

Vor knapp zwei Jahren bezeichnete Fuentes' Frau Cristina Pérez ihren Gatten als "Büchse der Pandora", die "das Idyll des Spitzensports nach Olympia 1992 in Barcelona" abseits der Radfahrer erschüttern könne. Fuentes sagte damals, dass "Radfahrer nur einen kleinen Teil seiner Kunden ausmachen". Seine Zunge könnte zu locker sitzen, fürchten nun manche, wie El Mundo berichtet.

Leichtathletikverbandschef José María Odriozola wisse nicht, ob Fuentes' Dienste auch von Domínguez beansprucht wurden. Aber "es wäre feige, das Schiff zu verlassen", sagte er auf lauter werdende Rücktrittsforderungen. Er selbst fühle sich als "Opfer", da er über Dekaden gegen das Doping gekämpft habe. Es gelte jedenfalls die Unschuldsvermutung - auch für die schwangere Domínguez, die noch nie wegen aktiven Dopings überführt wurde und am Montag per Videokonferenz in ihrem Wohnort Palencia vom Madrider Gericht befragt wurde.

Über die Ermittlungen wurde Geheimhaltung verhängt. Doch via El País sickerte durch, dass es Konten in Steuerparadiesen gebe, über die Gewinne aus dem Doping-Handel gewaschen worden seien. (Jan Marot aus Madrid, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag 14. Dezember 2010)

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    Eufemiano Fuentes (55) plaudert auf freiem Fuß.

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