Keine Freilassung von Iranerin Ashtiani

10. Dezember 2010, 12:50
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Aufnahmen dienten laut TV-Sender "Rekonstruktion des Verbrechens"

Teheran/Berlin - Ein im Fernsehen ausgestrahltes Foto der Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani hat im Ausland Spekulationen über eine mögliche Freilassung der zum Tod durch Steinigung verurteilten Frau ausgelöst. Doch am Freitag stellte der staatliche iranische Sender Press TV klar: Die Iranerin, für die sich zahlreiche Menschen im Ausland einsetzen, bleibt in Haft.

Press TV hatte am Donnerstag Bilder verbreitet, die die Frau und ihren Sohn nicht im Gefängnis, sondern in ihrem Haus in der Kleinstadt Osku zeigten. Dies führte im Ausland zu voreiligen Folgerungen, dass die Frau freigelassen worden sei.

Rekonstruktion am Tatort

In dem Statement stellte Press TV nun klar, dass der Sender und ein Team der Justizbehörde die Frau an den Tatort zurückgebracht hätten, um "eine Rekonstruktion des Verbrechens" zu ermöglichen. Das Ganze, einschließlich Interviews mit Augenzeugen, sollte beweisen, dass die Frau schuldig sei, so der englischsprachige Sender, der als Sprachrohr des Irans für die Außenwelt angesehen wird.

Die in Deutschland lebende iranische Dissidentin Mina Ahadi hatte am Donnerstag in Medien zunächst verkündet, dass Mohammadi-Ashtiani freigelassen worden sei. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa revidierte sie später aber ihre Aussage und sagte in einem Telefongespräch, dass sie Hinweise habe auf eine baldige Freilassung. Berichte, wonach die zum Tod Verurteilte bereits freigelassen worden sei, könne sie nicht bestätigen. Derzeit sei sie wohl noch nicht frei.

Die iranische Justiz hat sich zu den jüngsten Entwicklungen noch nicht geäußert. Nach Angaben informierter Kreise hat Mohammadi-Ashtiani in der ersten Dezemberwoche zumindest für drei Tage das Gefängnis in Täbris im Nordwesten des Irans für den Beitrag in Press TV verlassen, stand jedoch unter strenger Bewachung.

Sondersendung zu Ashtiani

Der persischsprachige Sender IRIB strahlte am Donnerstagabend eine Sondersendung über Mohammadi-Ashtiani aus, in der die Nachbarn der Frau zu dem Fall befragt wurden. Alle Interviewten gaben an, sie seien überzeugt, dass Mohammad-Ashtiani in den Mordfall an ihrem Mann im Jahre 2006 verwickelt gewesen sei. Sie habe ihn zunächst mit einer Spritze betäubt, bevor ihr Liebhaber ihn dann ermordet habe, so die Version der Nachbarn vor der Fernsehkamera. Die Frau hat den Mord angeblich auch selber bereits gestanden. Die Sendung "Ras" (Geheimnis) warf dem Westen und der ausländischen Presse erneut vor, das Ansehen des Irans durch diesen Fall beschädigen zu wollen.

Mohammadi-Ashtiani war vor mehr als vier Jahren zunächst wegen Ehebruchs verhaftet und zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Das Urteil löste weltweit heftige Proteste aus, Teheran setzte die Steinigung vorläufig aus. Beobachter in Teheran glauben, dass Mohammadi-Ashtiani wegen des großen internationalen Drucks mit einer Haftstrafe davonkommen könnte. (APA)

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