Wenn einer eine Reise tut

9. Dezember 2010, 21:51
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Abberufung der Agrar-Attachée "Teil interner Abklärung"

Wien - Im mexikanischen Cancún muss sich Umweltminister Nikolaus Berlakovich mit Vorwürfen von Umweltschutzorganisationen auseinandersetzen. In den Verhandlungen um ein Waldschutzabkommen spiele er eine unrühmliche Rolle, WWF und Global 2000 werfen Berlakovich die Forcierung von Klima-Bilanzfälschung vor. In Österreich sorgen allerdings immer noch seine schwierige Anreise und der Tobsuchtsanfall am Flughafen in Paris für Turbulenzen. Als Berlakovich die Air-France-Maschine versäumte, soll er noch am Flughafen damit gedroht haben, den Posten des Landwirtschafts-Attachées mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Er habe sich von der Mitarbeiterin und ganz generell von der österreichischen Botschaft in Paris mehr Unterstützung erwartet - er sei schließlich kein Normalreisender.

Bis Montag "out of office"

Tatsache ist, dass die zuständige Attachée Birgit Hell bis kommenden Montag offiziell nicht mehr erreichbar ist. Ihre Vertretung in Paris gab keinen Kommentar ab, aus dem Büro des Umweltministeriums hieß es auf Anfrage des Standard, dass eine mögliche Abberufung von Frau Hell nun "Teil interner Abklärung" sei. Die Botschaft in Paris sei über die Reise des Ministers sehr wohl informiert gewesen, seine verärgerte Reaktion über den verpassten Anschlussflug nur allzu verständlich, erklärte eine enge Mitarbeiterin. Die Aussagen über den "Saustall" in der Botschaft seien in der Hitze des Gefechts gefallen.

Frau Hell ist als Agrar-Attachée direkt dem Umwelt- und Lebensministerium unterstellt. Das Außenministerium übernimmt im Fall einer Entsendung durch andere Ressorts lediglich die "Notifikation" , das heißt An- und Abmelden der Person bei den Behörden im Gastland, erklärt Peter Launsky-Tieffenthal, Leiter der Presseabteilung im Außenministerium. Die Entscheidung über eine Entsendung oder Abberufung würde jedenfalls im Ermessen anderer liegen.

In diplomatischen Kreisen ist man sich sicher, dass eine Ministerweisung in jedem Fall in den Personalabteilungen umgesetzt werden wird. (juh, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2010)

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