"Ein Sängerleben ist nicht so einfach"

9. Dezember 2010, 17:08
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Der junge Startenor Saimir Pirgu im Gespräch

 

Wien - An wichtigen Stationen seiner Laufbahn stand Mozart: Così bei den Salzburger Festspielen, Idomeneo bei der Styriarte in Graz. Vor der Premiere des Don Giovanni an der Wiener Staatsoper am Samstag musste sich Saimir Pirgu allerdings grundsätzliche Gedanken über seine Rolle machen.

Denn, so der 1981 geborene Sänger: "Don Ottavio ist eine Figur mit wenig Persönlichkeit. In der Partitur steht leider nicht besonders viel für ihn; er ist immer allein oder tritt mit Donna Anna auf. Vielleicht war Mozarts Librettist noch nicht so sicher in der Zusammenarbeit. In unserer Inszenierung gibt es aber einen neuen Ottavio mit mehr Kraft und lyrischem Sentiment. Regisseur Jean-Louis Martinoty wollte, dass er und Don Giovanni Freunde sind. Sie stehen ja beide auf einer Ebene, sind beide Don."

Dass sich Pirgu selbst als nobler Sänger etablieren würde, zeichnete sich allerdings erst über Umwege ab. Er stammt aus dem albanischen Elbasan, "einer Industriestadt, nicht so wichtig, nur mit einer großen Fabrik, aber auch mit einer Musikschule, wo ich Geige studiert habe." Der Unterricht lief rund um die Wendejahre noch nach der alten russischen Schule ab: "Das war eine ganz gute musikalische Tradition, die nur zu sehr in eine bestimmte Richtung, des Sozialistischen Realismus, ging. Aber Albanien hat viele hervorragende Musiker hervorgebracht: Bei den Wiener Philharmonikern gibt es drei, bei den Münchnern kommt der Konzertmeister aus Albanien."

Seine Geigenausbildung war ihm später auch als Sänger nützlich: "Mein gutes Gehör, das ich dabei entwickelt habe, hilft mir natürlich auch beim Singen. Man kann durch die Erfahrungen mit einem Streichinstrument außerdem viel besser legato singen und Farbe in die Stimme geben."

Der Ort von Pirgus zweiter musikalischer Heimat sollte Italien werden: "Ich hatte das Gefühl, dass es für mich in Albanien keine Zukunft gibt. Deshalb ging ich nach Bozen. Eine kleine Stadt, aber mit viel Kultur, dem Busoni Wettbewerb, dem Mahler Jugendorchester mit Claudio Abbado. Eigentlich wollte ich dort Dirigieren und Komposition studieren. "

"Du bist ein Tenor!"

Doch dann wurde er von einem Professor Vito Brunetti entdeckt: "Er sagte mir: Du bist ein Tenor! In ein paar Jahren wirst du auf der Bühne stehen." Bis heute erhält er Unterricht vom Italiener. Daneben gab es einen weiteren italienischen Lehrer, und zwar einen ganz Großen: "Mit Luciano Pavarotti lang durfte ich sechs Jahre lang jedes Jahr arbeiten. Das war eine wunderbare Zeit."

Und noch jemand aus Italien solle einer seiner wichtigsten Mentoren werden: "Claudio Abbado war der erste große Dirigent, der mich unterstützt hat. Ohne ihn würde ich vielleicht auch singen, aber meine Karriere wäre nicht so schnell gegangen."

Entsprechend umfangreich sind die Zukunftspläne: An der Scala singt Pirgu eine Zauberflöte; bei den kommenden Salzburger Festspielen gibt es ein Verdi-Requiem mit Riccardo Muti, dazu Auftritte an der Met und in Coventgarden "eben überall", wie Pirgu lachend sagt.

Doch obwohl er an allen großen Häusern singt, betont er: "Ein Sängerleben ist nicht so einfach. Wenn man jung ist und eine Weltkarriere macht, muss man aufpassen: auf die Stimme, auf die Gesundheit. Das Leben ist viel schneller als früher: An einem Tag kann man in New York auftreten, am nächsten in Mailand. Mir ist aber wichtiger, neue Produktionen zu machen, mit Zeit für Proben, als nur viele Vorstellungen zu singen, wo man nichts Neues für sich entdecken kann." (Daniel Ender/ DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2010)

  • Umwege zum Ruhm: Pirgu.
    foto: fadil berisha

    Umwege zum Ruhm: Pirgu.

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