Millionenförderung für Mittelalterforschung

3. Dezember 2010, 15:31
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Walter Pohl erhält hochdotierten "Advanced Grant" - FWF fördert überdies Spezialforschungsbereich mit Religionsbezug

Wien - Kommende Woche findet in Wien die Abschlusskonferenz des Forschungsprojekts "Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa" statt, das der Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Walter Pohl, mit dem ihm 2005 zuerkannten "Wittgenstein-Preis" finanziert hat. Üblicherweise bedeutet das Auslaufen solcher Förderungen für Wissenschafter einen Einschnitt - nicht so für Pohl, der sich am Freitag gleich über zwei Millionen-Förderungen freuen konnte; er erhält nicht nur einen mit zwei Millionen Euro dotierten "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC), auch ein Spezialforschungsbereich, dessen Sprecher Pohl ist, wird vom FWF gefördert.

Mit einem "Advanced Grant" fördert der ERC grundlagenorientierte Pionierforschung mit hohem Potenzial für Innovationen. "Dass der wichtigste europäische Forschungspreis an einen Geisteswissenschafter geht, ist ein Signal, dass die Geschichtswissenschaft eine unverzichtbare Grundlage zum Verständnis der heutigen Welt bildet", erklärt Pohl, der auch Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Wien, in einer Aussendung.

Forschungsinhalte

In dem ERC-Projekt "SCIRE - Social Cohesion, Identity and Religion in Europe (400-1200)" will sich Pohl mit dem Frühmittelalter beschäftigen, das die Grundlage des heutigen Europas samt gegenwärtigen sozialen, ethnischen und religiösen Konflikten bilde. "Einerseits ist im Frühmittelalter viel von dem entstanden, was unsere Gesellschaft heute noch prägt: das Christentum, viele Staaten und Nationen, Kulturlandschaften, Mentalitäten, Identifikationsmuster und Feindbilder. Andererseits ist es ein 'ferner Spiegel', der entfernt genug ist, damit wir uns selbst gerade an den Unterschieden besser erkennen können", sagt Pohl.

Der Historiker ist auch Sprecher des neu genehmigten Spezialforschungsbereiches (SFB) "Visions of Community: Comparative Approaches to Ethnicity, Region and Empire in Christianity, Islam and Buddhism (400-1600)". Der Wissenschaftsfonds FWF fördert diese maximal acht Jahre laufenden SFB mit durchschnittlich 900.000 Euro pro Jahr. Im Rahmen dieses Projekts will Pohl mit seinem Team die unterschiedliche Entwicklung der politischen Rolle von ethnischen und religiösen Identitäten im Christentum, im Islam und im Buddhismus untersuchen.

Pohl ist der achte Forscher der Universität Wien, der einen "ERC Advanced Grant" erhält. Zudem haben sechs Nachwuchswissenschafter der Uni Wien einen "ERC Starting Grant" erhalten. (APA)

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    Wittgenstein-Preisträger Walter Pohl

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