Von der Uni in die Industrie

30. November 2010, 19:42
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Vor Gründung von vier neuen Christian-Doppler-Laboren

Der Pathologe Kurt Zatloukal koordiniert eines jener großen europäischen Projekte, mit denen die EU ihre Forschungsinfrastruktur stärken will: "Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure" heißt es. Seit 2008 will man damit ein Netzwerk von Biobanken für den gemeinsamen Zugang zu verfügbaren biologischen Proben (Gewebe, Zellen, Blut, DNA) schaffen. Nun wird mit einem Christian-Doppler-Labor unter Leitung von Zatloukal an der Med-Uni Graz auch der direkte Weg zur Anwendung in der Industrie gesucht. 50 Prozent der Laborfinanzierung kommen vom Unternehmen Qiagen, einem Anbieter von Testtechnologien für die Diagnostik. Die andere Hälfte wird, wie immer bei Christian-Doppler-Laboren, vom Wirtschaftsministerium und von der Nationalstiftung beigesteuert.

Reinhart Kögerler, Präsident der Christian-Doppler-Gesellschaft, zeigt sich angetan von der Tatsache, dass trotz Finanzkrise bisher kein Budgeteinbruch zu verzeichnen war. Auch dank einiger Unternehmen, die bereits vor Jahren vom Konzept der Christian-Doppler-Gesellschaft, Grundlagenforschung an den Unis direkt zur Industrie zu bringen, überzeugt wurden - und seither immer wieder als Firmensponsor auftreten. Voestalpine Stahl zum Beispiel, die mit dem Engagement im neuen Doppler-Labor für Optimierung und Biomasseeinsatz beim Recycling von Schwermetallen an der Montan-Uni Leoben bereits zum achten Mal als Industriepartner der Labore vertreten ist. Kögerler kündigt noch zwei weitere Gründungen in den nächsten Wochen an: An der Med-Uni Wien entsteht das Labor für Laserentwicklung und deren Anwendung in der Medizintechnik, an der Universität für Bodenkultur das Labor für Mykotoxin-Metabolismus. Dabei geht es um Pilzbefall im Ackerbau.

Derzeit gibt es 60 Labore. Die Einrichtungen sind für maximal sieben Jahre bewilligt. Danach ist auch mit dem erfolgreichsten Christian-Doppler-Labor Schluss. Kögerlers Wunsch für die Zukunft: Dass sich noch mehr österreichische Unternehmen von der Idee überzeugen lassen. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 01.12.2010)

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