Das Treibhaus in den umstrittenen Bunkern

29. November 2010, 19:15
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Die Industrie ist für die unterirdische Endlagerung von CO2 - Kritiker warnen

Wien - "Carbon Capture and Storage" (CCS) - dabei wird das bei der Stromgewinnung entstehende Treibhausgas Kohlendioxid aufgefangen, komprimiert und dann tief im Erdreich vergraben - ist eine Technologie, die Umweltschützer und Anrainer in etwa so auf die Palme bringt, wie der Bau eines neuen Atomkraftwerkes in der Nähe des Wohnortes. Oder die Aussaat von gentechnisch verändertem Saatgut auf dem Feld vor der eigenen Haustüre.

In der Tat spricht vieles gegen diese sogenannte Sequestrierung des Treibhausgases CO2, weshalb die heimische Regierung an der Thematik bis dato nicht gerührt hat. Obwohl sich Österreich geologisch für eine Speicherung eignen würde: In aufgelassenen Gasfeldern oder alten Salzstöcken.

In anderen Teilen der EU wird, häufig gegen den Widerstand der Bevölkerung - an entsprechenden Pilotprojekten gearbeitet. Ausschlaggebend dafür ist, dass CO2-Abscheidung und Speicherung Teil des EU-Klima- und Energiepakets ist. So gibt es ein wahres Füllhorn von EU-Forschungsgeldern, mit denen die Technologie marktreif werden soll. Schließlich will die EU ab 2020 keine Kohlekraftwerke mehr genehmigen, die nicht auch eine Abscheidungsanlage für CO2 aufweisen.

Eine Milliarde für Forschung

Eine Milliarde Euro an Forschungsgeldern wurde dafür freigemacht, damit an sechs Standorten (Deutschland, Italien, Niederlande, Polen, Spanien und Großbritannien) entweder Demonstrationsprojekte entstehen oder an Teilen der Technologie (etwa nur der Komprimierung des CO2) geforscht wird. Da viel Geld im Spiel ist und, so ein Kritikpunkt von Umweltschützern, fossile Energiebereitstellung durch CCS prolongiert wird, sind es vor allem die bekannten, großen Energiekonzerne, die mit von der Partie sind: Vattenfall, Shell, RWE sowie Statoil. Letztere speichern seit 1996 CO2 im norwegischen Sleipner Gasfeld in der Nordsee, einerseits aus Klimaschutzgründen, andererseits um den Druck im Gasfeld kontinuierlich hoch zu halten.

Obwohl besonders die Industrie argumentiert, dass CCS als Brückentechnologie notwendig sei, wenn der Klimawandel auf ein erträgliches Maß zurückgeschraubt werden soll, sprechen die hohen Kosten und der enorme Energieaufwand gegen CCS. Geschätzt wird, dass ungefähr ein Drittel der Stromproduktion eines Kraftwerkes dafür verwendet werden muss, damit das Kohlendioxid schlussendlich gebunkert werden kann. Der Energieaufwand der EU würde also, meinen Kritiker, durch die Einführung von CCS massiv hinaufschnellen.

Und zum Thema Sicherheit: Die Aufgabenstellung, CO2 so ins Erdreich zu verbannen, dass es quasi nie mehr entweichen kann, ist herausfordernd wie die Endlagerung von Atommüll. Die Klimaorganisation IPCC geht davon aus, dass ins Erdreich verbrachtes CO2 zumindest tausend Jahre dort verbleiben müsste, damit es keinen Treibhauseffekt entfalten kann.

Große Ängste gibt es auch bei den betroffenen Anrainern, die an die Ablehnung bei Atommüll-Endlager erinnern: Kohlendioxid ist zwar nicht giftig, aber in hohen Konzentrationen gefährlich. Es kann zum Tod durch Erstickung führen, da das CO2 schwerer ist als Luft und sich etwa in einer Senke ansammeln könnte. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD-Printausgabe, 30.11.2010)

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    Im brandenburgischen Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe soll bald die CO2-Abtrennung und Lagerung getestet werden.

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