Jüdisches Wien im Mittelalter

29. November 2010, 17:10
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Wiedereröffnung des Museums Judenplatz mit neuer Dauerausstellung

Wien - Die Nische über der Eingangstür muss, bitteschön, noch geputzt werden; und natürlich die Deckenleuchten im unterirdischen Gang, der von den neu gestalteten Ausstellungsräumen zu den Überresten einer um 1420 zerstörten Synagoge führt. Danielle Spera geht ihr Amt als Direktorin des Jüdischen Museums bis ins kleinste Detail gründlich an.

Nach der sommerlichen Büro-übersiedlung gilt jetzt ihr Augenmerk den beiden Museums-Standorten: Das Jüdische Museum in der Dorotheergasse muss ab Jänner geschlossen werden, weil unter anderem Klimaanlage und Aufzüge erneuert werden müssen. Weil die 13. European Makkabi-Games, eine Art jüdischer Olympischer Spiele, ab 3. Juli in Wien ausgetragen werden, wird sich die Wiedereröffnungsausstellung unter dem Titel Achtung! Fertig!! Los!!! Wiener Sport und Makkabi-Spiele mit Entwicklung und Bedeutung der jüdischen Sportbewegung beschäftigen.

Ab heute ist die Dependance im Misrachihaus am Judenplatz nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wieder zugänglich. Im Untergeschoss haben Felicitas Heimann-Jelinek und Gerhard Milchram die neue Dauerausstellung über das jüdische Wien im Mittelalter kuratiert.

Mit einem von "7reasons" gestalteten Animationsfilm, archäologischen Fundstücken, Illustrationen und Texten werden Berührungspunkte von Juden und Nichtjuden dokumentiert, Konflikte ebenso wie gemeinsame Feste: "Wie dachten die Menschen damals, um sich einerseits als Juden zu definieren, aber sich andererseits nicht zu sehr abzugrenzen?", so Heimann-Jelinek.

Im Erdgeschoß ist eine Fotoserie von Peter Seidel zu sehen, die Mikwaot - jüdische Tauchbäder - vom Mittelalter bis heute zeigt. Die Wanderausstellung war zuvor etwa im Jüdischen Museum in Hohenems zu sehen.

Künftig sollen sich, so Speras Pläne, zeitgenössische Künstler mit dem Raum, den historischen Ausgrabungen des Hauses und Rachel Whitereads Shoa-Denkmal auf dem Judenplatz auseinandersetzen. Dass dieses neuerdings mit einer Erläuterungstafel versehen ist, verdankt sich übrigens auch Speras Amtsverständnis. (Andrea Schurian, DER STANDARD - Printausgabe, 30. November 2010)

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