"Dober ist mit allen Wassern gewaschen"

29. November 2010, 11:31
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Vom Schiedsrichter übersehene Provokation des Rapidlers fiel bei Austrias Liendl auf fruchtbaren Bo­den, der räumt ein: "Das war unnötig"

Wien - Spielerisch war das von Schneefall beeinträchtigte 295. Wiener Fußball-Derby über weite Strecken kein echter Leckerbissen. Die Emotionen gingen beim 1:0-Auswärtssieg von Rapid gegen die Austria dennoch ordentlich hoch. Auslöser war die Rote Karte für den Austrianer Michael Liendl, der sich zu einer Tätlichkeit gegen Andreas Dober hinreißen ließ.

"Das war unnötig, ich habe überreagiert"

Das Goldtor gelang Hamdi Salihi in der 51. Minute, am meisten diskutiert wurde aber nach Schlusspfiff die Auseinandersetzung zwischen Liendl und Dober zwölf Minuten später. Liendl wies darauf hin, dass ihm Dober einen Ellbogencheck von hinten verpasst hat, nahm sich aber vor allem an der eigenen Nase.

"Normal bin ich nicht der Typ, der solche Sachen macht. Ich kann es mir selbst nicht erklären. Das war unnötig, ich habe überreagiert. Es tut mir leid für die Mannschaft, denn bis dahin haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht", meinte der 25-jährige Mittelfeldspieler geknickt.

"Wie ein kleines Kind. Was soll das?"

Austrias Spielgestalter Zlatko Junuzovic war alles andere als gut auf Dober zu sprechen, dem Rapid-Verteidiger wurde von den Violetten ein beeindruckendes schauspielerisches Talent bescheinigt. "Der liegt eine halbe Stunde am Boden, krümmt sich herum, hält sich das Gesicht wie ein kleines Kind. Was soll das? Das ist einfach nur lächerlich, Schauspielerei gehört nicht auf den Fußballplatz", fand Junuzovic deutliche Worte.

Ebenso deutlich fiel die Antwort Dobers aus. "Die Kommentare von der Austria sind mir scheißegal. Das war ein klarer Ausschluss. Liendl hat mir an den Hals gegriffen und mich gestoßen. So etwas gehört nicht auf den Fußballplatz, das ist eine Wrestlingaktion", erklärte der 24-Jährige, der lediglich einräumte, Liendl davor "ein bisschen" berührt zu haben.  Die TV-Bilder zeigten allerdings einen heftigen Rempler in den Rücken, nachdem das Spiel bereits abgepfiffen war. Dobers Trainer Peter Pacult sprach von einer völlig korrekten Schiedsrichterentscheidung, räumte jedoch ein: "Dober ist mit allen Wassern gewaschen."

Schiedsrichter übersah Dobers Vergehen

Referee Louis Hofmann, der mit Jahresende seine Bundesliga-Karriere aus Altersgründen beenden muss, hatte in seinem letzten großen Match noch einmal alle Hände voll zu tun. Für den Salzburger war die Rote für Liendl auch nach Studium der TV-Bilder eine klare Sache, Hofmann gestand jedoch ein, dass Dober Gelb sehen hätte müssen.

Austrias Trainer Karl Daxbacher war nach seinem zehnten Derby als Austria-Trainer schwer enttäuscht. "Allerdings nicht über die Leistung, sondern nur über das Ergebnis." Vor allem die ersten 45 Minuten seines Teams haben Daxbacher beeindruckt. "Vor der Pause haben wir Rapid spielerisch deklassiert. Diese Leistung gibt uns Mut und Hoffnung für die Zukunft. Der spielerische Unterschied war gewaltig, ich hatte mir einen ebenbürtigeren Gegner erwartet. Aber es ist im Fußball nichts Neues, dass nicht immer der Bessere gewinnt", so der Niederösterreicher.

Wende nicht mehr möglich

Aufgrund des Ausschlusses und des immer schlechter werdenden Terrains sei eine Wende im Finish fast unmöglich gewesen. "Da waren wir dann hilflos, das muss man zugeben. Wir hatten in Unterzahl mit Linz, Tadic und Schumacher zudem drei Spieler auf dem Feld, die nicht die Willensstärke bringen, um so ein Spiel umzudrehen", sagte Daxbacher.

Für Pacult war der stärker werdende Schneefall ein Vorteil. "Davon haben wir profitiert, wir waren für diese Verhältnisse besser gerüstet", meinte Pacult und berichtete von einer Trainingseinheit am Samstag auf schneebedecktem Boden. Und für Pacult war auch der Wille seiner Mannschaft entscheidend. "Der Wille ist bei Rapid mehr vorhanden als bei anderen Mannschaften. Das ist ein Markenzeichen."

Gestört haben den Rapid-Trainer die zahlreichen vergebenen Konterchancen von Salihi und Co. in der Schlussphase. "Wir hätten das eine oder andere Tor nachlegen müssen", resümierte Pacult. Die Freude über seinen ersten Sieg als Rapid-Coach im Horr-Stadion war nach Schlusspfiff dennoch nicht zu überhören und zu übersehen, Grün-Weiß siegte schließlich erstmals seit 22.10.2005 wieder in der Heimstätte des Erzrivalen. Es war die perfekte Revanche fürs erste Saisonduell, das die Austrianer nach ähnlichem Spielverlauf im Hanappi ebenfalls 1:0 gewonnen hatten. (APA)

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    Während Dober sich vor fürchterlichen Schmerzen windet, sieht Liendl Rot.

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