RI verdoppelt Konzerngewinn

29. November 2010, 10:00
47 Postings

Kreditrisikovorsorgen fielen um 38,7 Prozent auf 837 Mio. Euro - Betriebsergebnis rückläufig wegen gefallener Zinsüberschüsse

Die Raiffeisen International (RI) hat unter anderem wegen zurückgegangener Kreditrisikovorsorgen in den ersten neun Monaten 2010 mehr verdient. Der Konzernperiodenüberschuss legte um 104,5 Prozent auf 318 Mio. Euro im Jahresvergleich zu. Die Kreditrisikovorsorgen wurden um 38,7 Prozent auf 837 Mio. Euro verringert. Der Periodenüberschuss nach Steuern stieg um 78,5 Prozent auf 385 Mio. Euro, das Betriebsergebnis sank wegen geringerer Zinsüberschüsse um 16 Prozent auf 1,354 Mrd. Euro, teilte Raiffeisen International am Montag mit.

Die mittlerweile ehemalige Osttochter-Holding der RZB ist mit Wirksamkeit 11. Oktober 2010 mit wesentlichen Teilen der RZB zur Raiffeisen Bank International (RBI) fusioniert (Pro-forma-Bilanz siehe unten). Einen Ausblick für 2010 hatte Raiffeisen International nicht gegeben.

Geringere Kreditvorsorgen verbessern Rentabilität

Das operative Geschäft der RI war in den ersten drei Quartalen rückläufig. Aufgrund geringerer Kreditrisikovorsorgen konnte allerdings die Rentabilität verbessert werden. Der Return on Equity (RoE) wurde um 3,7 Prozentpunkte auf 9,8 Prozent erhöht, während dieser auf Konzernebene nach Steuern und Minderheiten nur um 3,1 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent anstieg. Der Gewinn je Aktie legte um 1,06 Euro auf 1,78 Euro zu.

Der Zinsüberschuss in den ersten neun Monaten 2010 ging um 3 Prozent auf 2,16 Mrd. Euro zurück. Dies führt RI vor allem auf die unterschiedliche Entwicklung der Refinanzierungskosten und Kreditvolumina in den einzelnen Ländern zurück. Der Verwaltungsaufwand ist um 9 Prozent auf 1,822 Mrd. Euro gestiegen. Dadurch und aufgrund geringerer Betriebserträge verschlechterte sich die Cost/Income Ratio gegenüber der Vergleichsperiode 2009 um 6,3 Prozentpunkte auf 57,4 Prozent. Das durchschnittliche Eigenkapital erhöhte sich aufgrund des Genussrechtskapitals um 11 Prozent auf 7,1 Mrd. Euro. Der Sachaufwand stieg um 6 Prozent auf 759 Mio. Euro.

56.650 Mitarbeiter per 30. September

Das Kernkapital (Tier 1) verringerte sich um 1 Prozent auf 7,012 Mrd. Euro. Negativ wirkten sich einige Währungsabwertungen aus. So fiel etwa der serbische Dinar um 11 Prozent, der ungarische Forint um 2 Prozent und der rumänische Leu um 1 Prozent. Aufwertungen gab es etwa bei der ukrainischen Hryvna um 6 Prozent. Die Kernkapitalquote bezogen auf das gesamte Risiko fiel gegenüber dem Jahresende 2009 um 0,3 Prozentpunkte auf 10,7 Prozent. Die Core Tier Ratio 1 (Kernkapital Tier 1 abzüglich Hybridkapital bezogen auf das Gesamtrisiko) lag bei 8,9 Prozent.

Die durchschnittliche RI-Mitarbeiterzahl ist im Berichtszeitraum im Jahresvergleich um 4.564 auf 56.362 gesunken. Per 30. September 2010 stieg die Belegschaft allerdings um 120 auf 56.650 Mitarbeiter an. Zum selben Zeitpunkt hatte RI insgesamt 2.952 Geschäftsstellen und mehr als 14,7 Mio. Kunden. Die RI-Bilanzsumme fiel gegenüber dem Jahresultimo um 0,5 Mrd. auf 75,8 Mrd. Euro.

Im 3. Quartal 2010 konnte RI vor der Fusion mit wesentlichen Teilen der RZB ihren Konzernüberschuss um 90,2 Prozent auf 147,6 Mio. Euro im Jahresvergleich steigern. Damit konnte das beste Quartalsergebnis seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise erzielt werden. Gegenüber dem Vorquartal legte der Konzerngewinn um 108,8 Prozent zu, eine Verdoppelung. Das Betriebsergebnis stieg gegenüber dem Vorquartal leicht um 1 Prozent auf 465 Mio. Euro. Die Kreditrisiken fielen im 3. Quartal im Jahresvergleich um 119,1 Mio. Euro auf 277,4 Mio. Euro.

Fusionierte RBI hätte Nettogewinn von 783 Millionen

Die seit 11. Oktober 2010 operativ tätige Raiffeisen Bank International (RBI) hätte aufgrund einer Pro-Forma-Rechnung in den ersten drei Quartalen 2010 einen Konzerngewinn nach Steuern und Minderheiten von 783 Mio. Euro ausgewiesen. Die Nettodotierungen zur Kreditrisikovorsorge der Bank lägen bei 913 Mio. Euro.

Die Kreditrisikovorsorge ist im Quartalsvergleich um 8,8 Prozent auf 306 Mio. Euro gestiegen. "Die Steigerung von 0,3 Prozentpunkten fiel im vergangenen Quartal vor allem in Zentraleuropa an - in erster Linie in Ungarn und der Tschechischen Republik", sagte Johann Strobl, Risikovorstand der RBI und des RZB-Konzerns. Er gehe davon aus, dass man die Höhepunkte bei den Non-performing Loans in einigen CEE-Ländern hinter sich gelassen habe. 

Die Zinsüberschuss hätte sich auf 2,707 Mrd. Euro belaufen, das Betriebsergebnis auf 1,897 Mrd. Euro. Die Cost-Income/Ratio läge mit 53,2 Prozent unter jener der RI (57,4 Prozent). Der Return on Equitiy (RoE) vor Steuern wäre auf 14,1 Prozent gekommen. Die Kernkapitalquote der fusionierten Bank bezogen auf das gesamte Risiko hätte 9,7 Prozent betragen, jener der RI beträgt 10,7 Prozent. Die Core Tier Ratio 1 (Kernkapital Tier 1 abzüglich Hybridkapital bezogen auf das Gesamtrisiko) wäre mit 8,8 Prozent aber nur geringfügig schlechter als bei der RI (8,9 Prozent).

Im 3. Quartal 2010 hätte die RBI einen Konzernüberschuss von 311 Mio. Euro (+125 Prozent zum Vorquartal), allerdings wäre das Betriebsergebnis laut der Pro-Forma-Rechnung um 1 Prozent auf 636 Mio. Euro gefallen. Per Ende September 2010 hätte die RBI 59.339 Mitarbeiter und 2.964 Filialen.

Die RZB-Teile, die in die Fusion eingebracht wurden, sind mit 2,014 Mrd. Euro bewertet worden. Umschrieben werden die Geschäftsfelder als "Cembra/fusionsrelevante RZB-Geschäftsfelder, exklusive RI-Beteiligung". "Cembra" ist eine zur Fusion geschaffene Subholding. Über die Cembra hatte die RZB 72,8 Prozent an Raiffeisen International gehalten. Mit der Fusion hat die Raiffeisen International eine Bank-Konzession erhalten, die bis dahin nur die Mutter RZB hatte - die Gruppe verspricht sich dadurch als Ganzes besseren Zugang zum Kapitalmarkt. Die RI wurde mit 7,579 Mrd. Euro bewertet.

Stepic: Kapitalerhöhung hängt vom Jahresergebnis 2010 ab

Die gesamte Bankbranche arbeite erheblich an den neuen regulatorischen Anforderungen, "einige werden sich daran die Zähne ausbeißen", ist RBI-Chef Herbert Stepic überzeugt. "Basel III wird kommen, die Belastung durch Steuern wird bleiben", so Stepic bei der Bilanzpressekonferenz zu den Quartalszahlen der Raiffeisen International (RI).

Das auf einer Pro-Forma-Basis ausgerechnete Quartalsergebnis der RBI sei sehr gut, die Bank nehme mehr Fahrt auf, betonte Stepic im Hinblick auf die umgesetzte Fusion. "Das Ergebnis der ersten drei Quartale reflektiert das freundlichere gesamtwirtschaftliche Umfeld, es unterstreicht aber auch die Schlagkraft unseres neuen organisatorischen Set-ups. Das bestärkt meine Überzeugung, dass wir mit der Fusion den einsetzenden konjunkturellen Aufschwung optimal nutzen können." Es sei aber noch nicht Zeit, die "Schiffsglocke zu läuten", deutete er einen weiteren Strukturierungsprozess bei der RBI an.

Zu Details der im Rahmen der Verschmelzung beschlossenen Kapitalerhöhung gab sich Stepic bedeckt: "Wenn man uns Kapital wegnimmt, wird man Kapital nachschießen müssen." Dies hänge unter anderem vom Jahresergebnis 2010 ab. Für 2011 erwartet der RBI-Chef aufgrund der Bankensteuer in Österreich eine Belastung von 100 Mio. Euro. Die bereits 2010 in Ungarn eingeführte Bankenabgabe werde mit 40 Mio. Euro schlagend. Dennoch sei die Bank komfortabel mit Kapital ausgestattet.

In Osteuropa sieht Stepic eine "deutliche Erholungsphase". Die Region werde 2011 um 2 Prozentpunkte stärker als Westeuropa wachsen, so der RBI-Chef. Die Aufholprozess wird nach seiner Meinung langfristiges Wachstum auch in der Zukunft garantieren und zu keiner Überhitzung der Märkte führen. Die privaten Haushalte würden aber bei der Erholungsentwicklung hinterherhinken. Davon seien etwa Rumänien und Tschechien betroffen, wo es zu Gehaltsanpassungen im öffentlichen bzw. privaten Sektor komme.

Neuerliche Rezession "unwahrscheinlich"

Die notleidenden Kredite (Non Performing Loans) sowie die Wertberichtigungen habe man im Griff, die Krisenbewältigung habe sich in den vergangenen Monaten von Ost- nach Westeuropa verschoben. Die Staatsverschuldung sei in Mittel- und Osteuropa (CEE) bis auf Ungarn kein Thema, so Stepic. Eine neuerliche Rezession sei unwahrscheinlich, die Wachstumsaussichten seien auch nach der Krise intakt.

Die Frage, ob die RBI am Ostgeschäft der Volksbank AG (ÖVAG) interessiert sei, müssen an die Eigentümer und dem Aufsichtsrat gestellt werden, erklärte Stepic. "Kein Kommentar" hieß es auf die Frage, ob die RBI ein Angebot für die polnische Polbank gelegt hatte. Den Restrukturierungsprozess in der Ukraine und Ungarn mit Mitarbeiterabbau und Filialschließungen sei im Wesentlichen abgeschlossen. Dennoch müsse man weiter an den Herausforderungen für die Bank durch neue Regularien nicht nur in diesen zwei Staaten arbeiten, sagte Stepic.

Finanzvorstand Martin Grüll betonte, dass die RBI im 3. Quartal mit einem Konzernüberschuss von 311 Mio. Euro (+125 Prozent zum Vorquartal) die Konsensus-Schätzung der Analysten deutlich übertroffen habe. Mit der Kernkapitalquote Tier 1 von rund 9,7 Prozent erfülle die Bank schon jetzt die Anforderungen von Basel III, das 2019 in Kraft treten soll. Heuer wurden 700 Mio. Euro an Equity durch Gewinnrücklagen gebildet.

Über das Finanzrisiko müssen man kaum noch reden, die Situation sei anders als noch vor einigen Monaten, erklärte Risiko-Vorstand Johann Strobl. Die Lage in Osteuropa verbessere sich laufend, in Russland sei die NPL-Quote bereits von 11,8 Prozent (Q1 2010) auf 10,1 Prozent (Q3 2010) gefallen. In Südosteuropa werde der Nettoanstieg vor allem von Albanien, Bulgarien und Kroatien getrieben, während in Rumänien die Lage stabil sei. Den stärksten Anstieg gab es in Zentraleuropa - hauptsächlich in Ungarn und Tschechien. In Österreich sei die Quote stabil bei 1,7 Prozent, so Strobl. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    RBI-Boss Herbert Stepic am Montag: "Wenn man uns Kapital wegnimmt, wird man Kapital nachschießen müssen."

Share if you care.