Ideen vor dem Anstoß reduzieren den Ausstoß

26. November 2010, 18:31
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Die WM der Frauen 2011 in Deutschland soll ein grünes Spektakel werden - Das Projekt "Green Goal" will im kommenden Sommer überall Energie sparen: Beim Stadionlicht, bei den Würsteln und der Anreise zu den Spielen

Deutschland, ein Sommermärchen. Auch wenn die deutschen Herren 2006 im eigenen Land nicht Weltmeister wurden - an diese Endrunde erinnert sich die Nation immer noch gerne. In sieben Monaten (ab 26. Juni) findet in Deutschland wieder eine Fußball-WM statt, die der Frauen. Der Wohlfühlfaktor von 2006 wird kaum zu übertreffen sein, aber die Frauen wollen in einem anderen Bereich Maßstäbe setzen. Ihre Weltmeisterschaft soll ohne negative Folgen für das Klima bleiben.

"Bei der WM blickt wieder die ganze Welt auf Deutschland. Da möchten wir natürlich auch beim Umweltschutz vorbildlich und vor allen Dingen nachhaltig sein", sagt Steffi Jones, die Präsidentin des Organisationskomitees. Gemeinsam mit dem Öko-Institut hat der Deutsche Fußballbund (DFB) das Projekt "Green Goal" ausgearbeitet. Ansätze für sparsamen Energieverbrauch gab es auch schon 2006, 2011 will man aber noch stärker einsteigen.

"Die Frauen-WM eignet sich dafür natürlich gut, weil sie nicht ein solches Massenspektakel ist wie die Herren-WM. Da reisen nicht hunderttausende Fans aus England oder den Niederlanden an", sagt Martin Schmied vom Öko-Institut zum Standard. Es fällt also schon auf den Reisewegen weniger Kohlendioxid-Verbrauch an, auch die Stadien, in denen gespielt wird, sind deutlich kleiner.

50.000 Tonnen CO2

Das Öko-Institut rechnet damit, dass bei der Frauen-WM maximal 50.000 Tonnen des klimaschädigenden Kohlendioxids im In- und Ausland freigesetzt werden. Bei der Herren-WM waren es 2,1 Millionen Tonnen - aufgrund der Anreisewege für Fans aus dem Ausland. Zum Vergleich: Eine Stadt in der Größe Klagenfurts setzt jährlich zum Heizen und für die Stromversorgung 250.000 Tonnen Kohlendioxid frei - also fünf Mal so viel wie die Frauen-WM.

"Green Goal" nimmt sich fünf Bereiche vor: Wasser, Abfall, Catering, Energie und Mobilität. Wichtig ist den OrganisatorInnen, dass die Spiele zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt werden, Strom also, der aus Wasser-, Wind- oder Sonnenenergie stammt. "Das heißt aber nicht, dass dieser Strom einfach nur aus dem Netz herausgenommen wird", erklärt Schmied. Er muss extra für die WM "hergestellt werden". Will heißen: Man berechnet die benötigte Strommenge und speist sie wieder ins Netz ein.

Auch kulinarisch werden neue Wege beschritten. Natürlich, die obligatorischen Würstel dürfen in den neuen Stadien (Augsburg, Berlin, Bochum, Dresden, Frankfurt, Leverkusen, Sinsheim, Mönchengladbach, Wolfsburg) nicht fehlen, sie sollen aber aus regionalen Bio-Zutaten hergestellt werden. Außerdem sind für hungrige Fans auch vegetarische Häppchen und Snacks im Angebot. "So etwas gab es bisher noch nicht", sagt Schmied. Man kann sich auch schlecht vorstellen, dass sich Hunderttausende Fans bei einer Männer-WM mit Tofu-Würsteln und Bio-Limonade zufrieden geben würden.

Großgebinde statt kleiner Senfsäckchen, Vermeidung von Papptellern und der Einsatz von Mehrwegbecher stehen auch auf dem Programm. Um jedes Gramm Kohlendioxid wird gerungen. Davon ist auch der Verkehr betroffen. Um die BesucherInnen von ihren Autos fernzuhalten, gilt das Stadion-Ticket am Spieltag als Gratiskarte für den Nahverkehr.

Internationale Kompensation

Doch bei allem guten Willen - völlig wegzaubern kann man die Emissionen auch mit "Green Goal", das sich der DFB 800.000 Euro kosten lässt, nicht. "20.000 Tonnen werden übrig bleiben", rechnet Experte Schmied vor. Diese Menge soll in den kommenden Jahren durch internationale Projekte kompensiert werden. Maßstab dafür ist der "Goldstandard" des Weltklimarates IPCC. Der garantiert, dass die lokale Bevölkerung in Vorhaben mit erneuerbarer Energie eingebunden ist. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Printausgabe 27./28.11.2010)

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    Das Umweltkonzept der Fußball-WM der Frauen ist ambitioniert, so weit wie bei einer Kunstaktion in Chile wird OK-Chefin Steffi Jones aber nicht gehen können.

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