Ökofirmen verdienen Geld großteils auswärts

26. November 2010, 17:42
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Nur einer von drei Euro in Österreich erwirtschaftet - Geschäft von Gesetzen getrieben

Wien/Graz/Linz/Klagenfurt - Österreichs Umwelttechnikindustrie, die früh in benachbarte Länder gegangen ist, hofft auf noch strengere Umweltgesetze. "Unser Geschäft ist eindeutig gesetzesgetrieben", sagte der Chef des Entsorgungsunternehmens Saubermacher, Hans Roth, dem STANDARD.

Ob Deponieverordnung, Verpackungsrichtlinie oder Beharren der EU-Kommission auf einheitlichen Umweltstandards: "Das sind Treiber, die uns auch in Osteuropa helfen", sagte Roth. Nach Schätzungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) ist die Branche rund sechs Mrd. Euro schwer; zwei von drei Euro werden im Ausland erwirtschaftet.

In der Steiermark hängen 160 Betriebe am Eco-World-Styria-Cluster. 2009 setzten die Umwelttechnikfirmen mit 14.500 Mitarbeitern 2,83 Mrd. Euro um. Von Kesseltechnologie über Solar bis Wasserkraft reicht die Palette.

Verstärkt auf Biomasse setzt Komptech, Hersteller von Abfallbehandlungsmaschinen. Ein Drittel des Umsatzes (rund 80 Mio. Euro, 445 Mitarbeiter) werden mit Aufbereitungs- und Zerkleinerungstechnik gemacht.

Mit Recycling, Reststoffentsorgung und -verwertung baut Saubermacher international seine Präsenz aus. Die Grazer Firma will heuer mit 3600 Mitarbeitern (1300 in Österreich) 270 Mio. Euro umsetzen. Der Auslandsanteil soll bis 2013 auf 57 (37) Prozent steigen.

Ein guter Boden für Ökofirmen ist auch Oberösterreich. Im Ökoenergie-Cluster arbeiten derzeit 154 Unternehmen mit mehr als 6300 Mitarbeitern zusammen. Diese setzten zuletzt 1,7 Milliarden Euro um.

Der Elektrotechnikproduzent Fronius aus Pettenbach (Bezirk Kirchdorf) ist weltweit Nummer zwei bei Wechselrichtern für Fotovoltaikanlagen - eine Schlüsseltechnologie zur Umwandlung von Sonnenenergie in Strom. Mit gut 3000 Mitarbeitern wurden zuletzt 329 Millionen Euro umgesetzt.

Xolar in Eberstalzell (Bezirk Wels-Land) ist ein führender Anbieter von Solaranlagen. Die Firmengruppe beschäftigt 130 Mitarbeiter, ist stark im Exportgeschäft und setzte im Vorjahr 23 Millionen Euro um.

Ganz vorne mischt auch Ökofen mit. Das Unternehmen brachte 1997 als erster österreichischer Hersteller eine typengeprüfte Pelletsheizung auf den Markt. Die Firma mit Hauptsitz in Niederkappel (Mühlviertel) und 300 Beschäftigten liefert Hackschnitzelheizungen auch in die USA.

Auch in Kärnten gibt es eine Reihe von Öko-Unternehmen, die insbesondere dank der Exportmärkte aufgeblüht sind. Die AMSC Windtec aus Klagenfurt beispielsweise gilt als Pionier der Windkraftnutzung und hat bereits 27 Patente angemeldet.

Mit gut 80 Prozent Exportrate punktet die Kioto-Gruppe um den Solaranlagen-Weltmarktführer GreenOneTec. Die höchste Exportquote mit 93 Prozent weist aber die Spittaler Firma Lindner auf. Sie stellt Schredderanlagen für Müllrecycling her.

Nicht alles ist eitel Wonne. Die SW-Umwelttechnik, spezialisiert unter anderem auf Abwasserentsorgung, erholt sich erst allmählich vom schwierigen Jahr 2009. Den Klagenfurtern machten die zurückgestutzten Budgets insbesondere in Ungarn und Rumänien zu schaffen. (stro, ker, mue, stein, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.11.2010)

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