Deutsche Bank übernimmt Mehrheit

26. November 2010, 17:03
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Der Bank seien mindestens 21,48 Prozent der Postbank-Anteile angeboten worden - Ackermann kündigt Jobabbau an

Frankfurt - Die Postbank wird noch in diesem Jahr zum Imperium der Deutschen Bank gehören. Der deutsche Branchenprimus sicherte sich die Mehrheit an dem Institut mit mehr als 14 Mio. Privatkunden. Vorstandschef Josef Ackermann will die Postbank nun bis Jahresende in die eigene Bilanz nehmen - erst dann kann er einen genauen Blick in die Bücher werfen und geplante Einsparungen umsetzen. Mit dem Schritt steigt die Deutsche Bank auch im Privatkundengeschäft zur Nummer eins in Deutschland auf, beschafft sich eine stabile Refinanzierungsquelle und reduziert ihre oft kritisierte Abhängigkeit vom Investmentbanking. "Der Deutsche-Bank-Konzern wird künftig über einen ausgewogeneren Ertragsmix und insgesamt stabilere Erträge verfügen", erklärte Ackermann am Freitag.

Zusammen haben beide Häuser weltweit über 28 Mio. Privatkunden und fast 2.900 Filialen, den größten Teil davon in Deutschland. Mit insgesamt 224 Mrd. Euro an Kundeneinlagen macht sich die Deutsche Bank weniger abhängig von der derzeit angespannten Refinanzierung über die Kapitalmärkte. Die Postbank ist allerdings vergleichsweise schwach kapitalisiert: Um die eigene Kernkapitalquote durch den Kauf nicht zu belasten, hat sich die Deutsche Bank bereits zehn Mrd. Euro frische Mittel bei den Aktionären beschafft. Die Kosten für die Übernahme bezifferte die Bank mit 6,3 Mrd. Euro.

Jobabbau

Ackermann rechnet mit jährlichen Einsparungen von bis zu einer Milliarde Euro. Er hat auch Stellenstreichungen bei beiden Häusern angekündigt, vor allem im IT-Bereich. Gewerkschaften fürchten den Abbau von 10.000 der zusammen fast 100.000 Jobs, doch dieses Schreckensszenario wird in Bankkreisen als "aus der Luft gegriffen" zurückgewiesen.

Die Postbank soll als Marke im Konzern der Deutschen Bank erhalten bleiben. Kontonummern und Bankleitzahl ändern sich ebenfalls nicht. Postbankchef Stefan Jütte soll weiter am Ruder bleiben, wie es in Finanzkreisen hieß. "Wir freuen uns, bald ein Teil des Deutsche-Bank-Konzerns zu sein", erklärte er. Das dichte Filialnetz bleibe erhalten.

Insgesamt hält die Deutsche Bank nun mehr als 51 Prozent an der Postbank, nachdem ihr die freien Aktionäre mindestens 21,5 Prozent angedient haben. Sie hielt zuvor bereits knapp 30 Prozent. Das genaue Ergebnis will das Institut am Montag bekanntgeben. Klar ist schon jetzt, dass die Deutsche Bank ihren Anteil zunächst auf 49,95 Prozent deckeln wird, indem sie die darüber hinausgehenden Aktien an das französische Geldhaus Societe Generale verkauft. Damit umgeht sie lange Wartefristen bis zur Freigabe der Übernahme durch die US-Kartellbehörden, kann die Postbank aber dennoch in die Bilanz nehmen.

Die Deutsche Bank hatte den Aktionären der größten deutschen Privatkundenbank 25 Euro je Anteilsschein geboten. Der Kurs pendelte in den vergangenen Wochen um diesen Preis. Erst Ende der Woche sackte er ab, weil die Investoren die Hoffnungen auf ein höheres Gebot endgültig begraben hatten. Am Freitag verlor das Papier ein Prozent auf 23,77 Euro.

Rund 40 Prozent liegen noch beim anderen Großaktionär Deutsche Post - diese Anteile bekommt die Deutsche Bank über eine Pflichtumtauschanleihe und Optionen ab Februar 2012. Dann kann sie auch einen Beherrschungsvertrag abschließen. Die Kleinaktionäre herausdrängen kann sie dagegen erst, wenn sie von Societe Generale die restlichen Aktien zurückkauft.

Rekordgewinn angepeilt

Zusammen mit der neuen Tochter will die Deutsche Bank im Privatkundengeschäft mittelfristig drei Mrd. Euro verdienen - ohne den Zukauf sollte es im nächsten Jahr nur die Hälfte sein. Konzernweit peilt die Bank für 2011 einen Rekordgewinn von zehn Mrd. Euro an, vor allem dank eines brummenden Investmentbanking, das aber in der Finanzkrise für Milliardenverluste verantwortlich war.

Viele Analysten trauen der Postbank ein solches Gewinnpotenzial aber vorerst nicht zu. Das Institut hat noch immer an den Folgen der Finanzkrise zu knabbern und sitzt auf einem Berg an Schrottpapieren, der die Gewinne drückt. In den ersten neun Monaten verdiente sie netto gerade einmal gut 200 Mio. Euro. Die Renditen im Privatkundengeschäft in Deutschland sind schmal, weil die Konkurrenz intensiv ist. Dominiert wird der Markt von den vielen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. (Reuters)

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