Das großartige Scheitern der US-Notenbank

25. November 2010, 17:08
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Die Kapitalmärkte machen Ben Bernanke einen Strich durch die Rechnung. Er pumpt 600 Milliarden Dollar in die Wirtschaft, doch die Zinsen und der Dollar steigen.

Ben Bernanke wollte die Zinsen senken, als er am 3. November ankündigte, 600 Milliarden Dollar an Staatspapieren zu kaufen. Daran ist er grandios gescheitert. Seitdem die Maßnahme konkret angekündigt wurde, sind die zehnjährigen Staatsanleihen im Kurs gefallen. Die Rendite ist auf über 2,9 Prozent gestiegen, von einem Tiefststand von 2,38%. Warum steigen die Zinsen, wenn die Fed doch so viel Geld in den Markt pumpt?

Die Quantitative Lockerung ist zunächst einmal daran gescheitert, dass die US-Notenbank viel Vertrauen verloren hat. Politiker, Investoren und die US-Bevölkerung zeigen sich weitgehend kritisch gegenüber "QE2". Die zweite Runde von Quantitative Easing ist auch deshalb gescheitert, weil die erste doch erfolgreicher war als gedacht. Die vergangenen Wochen haben einige recht gute makroökonomische Daten an die Oberfläche geschwappt (höheres BIP-Wachstum, niedrigere Arbeitslosigkeit), was Anleger dazu veranlasst hatte, wieder riskante Wertpapiere zu kaufen, und Staatsanleihen auf den Markt zu schmeißen.

Der Misserfolg der aktuellen Notenbankpolitik hat zudem dem Dollar Auftrieb verliehen. Nachdem die Zinsen gestiegen sind, wurde der Greenback attraktiver für Investoren. Dazu kommt die aktuelle Krise in Irland und schon ist der Dollar gegen eine Reihe von Währungen (Euro +4%, Yen +2,5%, Australischer Dollar +1,8%) aufgewertet.

Was die Fed noch tun kann

In einem außerplanmäßigen Treffen im Oktober haben die US-Notenbanker auch besprochen, eine radikale Neuausrichtung der Geldpolitik vorzunehmen. Die Fed diskutierte offenbar, nicht nur die kurzen Zinssätze direkt zu beeinflussen, sondern auch längerfristige Zinsen direkt zu bestimmen. Damit sollten die langfristigen Zinsen noch tiefer gesenkt werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Wie Lex in der FT schreibt: The "Fed bond-buying was widely seen as a risky effort to do something that probably should not or cannot be done at all, being carried out by peoplle who did not wholly belive in it". Das würde bedeuten, dass die Fed unbegrenzt Staatspapiere aufkauft, bis die Zinsen auf dem von ihr gewünschten Niveau sind.

Was bedeutet nun die aktuelle Entwicklung? Am Kapitalmarkt ist der "Dollar-Carry-Trade" offenbar in Auflösung begriffen. Die Märkte reagieren wieder positiv auf Nachrichten über Wachstum aus den USA (nicht negativ, weil sie auf Quantitative Easing hoffen). Anleihen in den USA sind aus ihrem Boom gefallen. Alleine seit 3. 11. haben zehnjährige Bonds nun 40 Basispunkte mehr Zinsen bekommen, und damit ungefähr drei Prozent verloren.

Investoren hoffen noch auf einen positiven Effekt von QE2, etwa höhere Investitionen und mehr Wachstum. Doch die Fed zwingt andere Notenbanken (etwa die People's Bank of China oder die Reserve Bank of Australia) dazu die Zügel anzuziehen. Weiter fließt viel Geld (gerade aus den USA) in die Schwellenländer. In den vergangenen Wochen verdichteten sich Nachrichten, dass die Inflation in diesen Staaten negativ überraschen könnte. Die Lockerung in den USA führt damit zu einer Straffung in den Emerging Markets. Ein Nullsummenspiel par excellence.

 


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