Peking betrachtet Artilleriebeschuss als "unerwünscht"

23. November 2010, 18:54
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Experte: Chinas Nordkoreapolitik hat sich in die Passivität hineinmanövriert

Die chinesische Regierung, die wichtigste Verbündete des nordkoreanischen Regimes, hat sich besorgt über den Vorfall geäußert. Außenamtssprecher Hong Lei forderte alle Parteien auf, sich für Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel einzusetzen.

Der US-Nordkoreabeauftragte Stephen Bosworth, der nach Krisengesprächen in Seoul und Tokio in Peking eintraf, beriet indes im chinesischen Außenministerium über den "von Nordkorea ausgelösten Artilleriebeschuss". Auf einer Pressekonferenz Dienstagnacht sagte er, dass beide den Vorfall als "sehr unerwünscht" betrachten und die Parteien zur Zurückhaltung aufrufen.

Bosworth berichtete auch von "sehr nützlichen" Gesprächen über die von Pjöngjang enthüllte Urananreicherung. Ihr Bau verletzte die Resolution des UN-Sicherheitsrats. Ungeachtet der neuen Eskalationen wollten sich beide Seiten weiterhin um eine Wiederaufnahme der Sechsparteiengespräche bemühen. Bosworth adressierte offenbar Spekulationen, dass die USA durch Nordkoreas Schachzug zu bilateralen Verhandlungen bereit sein könnten. Die USA und China seien "fest davon überzeugt", dass der "multilaterale Ansatz" im Umgang mit Nordkorea "zentral" sei.

Die jüngsten Provokationen Pjöngjangs scheinen Peking überrascht zu haben, dessen Medien bislang zur potenziellen neuen Atomwaffenschmiede des Nachbarstaates schwiegen. Den Artilleriebeschuss meldeten die Abendnachrichten erst als Schlussmeldung, zuerst wurde die nordkoreanische Verlautbarung der "Volksarmee" vorgelesen, die von einem Zurückschlagen gegen den Süden sprach. Der Nordkoreaexperte an der Parteihochschule Zhang Lianggui sagte dem Standard, dass sich Pekings Nordkoreapolitik in die Passivität hineinmanövriert habe. Nordkorea habe in jüngster Zeit den Eindruck von Sonderbeziehungen erweckt, die es mit China unterhalte, auch um eine "Einheitsfront des Auslandes" gegen sich zu unterlaufen. Die Offenlegung seiner Urananreicherung gehöre zur lange verfolgten Strategie, sich Schritt um Schritt als Atommacht zu etablieren und die USA zur Anerkennung zu zwingen. (Johnny Erling aus Peking, STANDARD-Printausgabe, 24.11.2010)

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