Heiße Luft, live dabei

23. November 2010, 16:54
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Musikpreise - Von Karl Fluch

Musikpreise sind lustig. Nicht eigentlich, aber jene, die von der Musikindustrie vergeben werden allemal. In den USA verhält es sich im Musikgeschäft mittlerweile ein wenig wie mit den verschiedenen Verbänden im Profiboxen. Jeder vergibt Preise. Es gibt die MTV-Awards, die Grammys, die American Music Awards und und und.

Gemein ist ihnen, dass sie allesamt Rechtfertigungspreise sind. Selbstrechtfertigungspreise für die eigene Leistung, die seit gut zehn Jahren darin besteht, mit allen Mitteln gegen den selbstverschuldeten Untergang anzukämpfen. Ein elementarer Kampf. Da sind alle Mittel recht. Die Grammys sind so schamlos wie kreativ: Es gibt Trophäen für die schönsten Linernotes, für die tiefste Plattenrille, für das verschnupfteste Saxofonsolo. Man muss sich nur etwas einfallen lassen, schon gibt es einen Grammy dafür. Alles Schall und Rauch.

Während der Filmpreis Oscar immerhin eine erhöhte Publikumsaufmerksamkeit garantiert, werden Musikpreise ob ihrer inflationären Vergabe nur milde belächelt. Jüngster Beleg: Justin Bieber, "Künstler des Jahres". Es wird nicht Musik bewertet, sondern die Verkaufsstrategie. Die Preise sind Teil dieser Strategie, lediglich dazu da, über die sie begleitende heiße Luft in die Medien zu gelangen. Und irgendwie gelingt ihnen das immer wieder. Was zu beweisen war. (Karl Fluch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2010)

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