Estlands Staatspräsident verteidigt Euro-Einführung

23. November 2010, 14:36
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Wien - Trotz Irland-Krise freut sich Estland, in wenigen Wochen den Euro einzuführen, mit allen Folgen, die dieser Schritt mit sich bringe. Mit diesen Worten verteidigte der estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves am Dienstag bei einem Treffen mit dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer in Wien die Einführung der Einheitswährung am 1. Jänner.

Da Tallinn einen Beitritt zur Euro-Zone seit 2004 angestrebt habe und nun die Kriterien dafür erfüllt seien, müsse Land mit ersten Jänner nun auch beitreten, so Ilves. Für Estland mache die Einführung der Einheitswährung aber auch angesichts der derzeitigen Probleme im Euro-Raum durchaus Sinn, erklärte Ilves: "Denn unsere Probleme in der Wirtschaftskrise sind unter anderem dadurch entstanden, dass wir nicht den Euro hatten."

Die Aussicht, dass Estland möglicherweise auch bald Geld an Irland, Griechenland oder Portugal wird zahlen müssen, kommentierte Ilves mit dem Hinweis, dass es sich dabei um Darlehen handle, die wieder zurückgezahlt würden.

Gute Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Österreich und Estland bezeichneten Ilves und Fischer nach ihrem gemeinsamen Arbeitsgespräch in der Wiener Hofburg einhellig als "exzellent". Zusammenarbeiten wolle man in den Bereichen Kultur und Bildung, sowie innerhalb der UNO bei der Bewerbung beider Länder für einen Sitz im Menschenrechtsrat, erklärte Bundespräsident Fischer.

Bei seinem zweitägigen Österreich-Besuch bis Mittwoch wird Estlands Staatspräsident außerdem mit Bürgermeister Michael Häupl (S), Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) sowie österreichische Wirtschaftsvertreter zusammentreffen.

Die baltische Republik trat 2004 der Europäischen Union und der NATO bei. Zu Jahresanfang 2011 will Estland als erste ehemalige Teilrepublik der Sowjetunion den Euro einführen. Das Land, das wegen seines hohen Wirtschaftswachstums gemeinsam mit Lettland und Litauen als "baltische Tiger" bezeichnet wird, hat unter der jüngsten Wirtschaftskrise schwer gelitten. Während sich die Wirtschaft weitgehend erholt hat, liegt die Arbeitslosigkeit weiterhin bei über 18 Prozent. (APA)

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