Eigentümer: "Kurier" muss Personalkosten "dringend reduzieren"

23. November 2010, 18:29
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Zeitung wird laut Eigentümern "zu teuer produziert" - Chefredakteur Brandstätter: "Auf sehr überschaubare Weise" Kürzungen beim Personal

Wien - "Ohne Sparen geht's auch bei uns nicht", bestätigte Chefredakteur Helmut Brandstätter Montag im Zigarrenclub Infos über geplanten Jobabbau beim Kurier. Zu Maßnahmen hielt sich Brandstätter bedeckt, zur APA sagte er, man werde "auf sehr überschaubare Weise" Kürzungen im Personalbereich vornehmen.

Konkrete Details kamen auch bei der Aufsichtsratsitzung am selben Tag nicht auf den Tisch. Die Eigentümervertreter betonten, der Kurier werde "zu teuer produziert". Dies berichtete der Betriebsrat per Mail an die Mitarbeiter: Personalkosten müssten "dringend reduziert werden".

Senkung der Personalkosten

Ein Zeitraum in dem die Sparpläne umgesetzt werden müssen, wurde nicht genannt. Geschäftsführung und Chefredaktion wurden beauftragt, Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten zu ergreifen. Der Betriebsrat überbrachte den Eigentümervertretern eine Resolution der Belegschaft. Die Belegschaftsvertretung will in den Verhandlungen darauf drängen, dass "alle möglichen Alternativen ausgeschöpft werden, bevor es zu Kündigungen kommt".

 

Der "Kurier" eröffnet in den kommenden Tagen seinen neuen Newsroom. Wie Chefredakteur Brandstätter sagte, werde dieser "Ende der Woche, Anfang nächster Woche" operativ werden.

Der neue Newsroom wird die Online- und Printausgaben des "Kurier" bündeln, wie Brandstätter schilderte. In einem Raum würde "auf einer Kommandoebene" sowohl die Zeitung als auch die Website als auch das iPad mit Inhalten befüllt. "In getrennten Redaktionen, die aber auf Zuruf arbeiten können." Der "Kurier"-Chefredakteur hält Bezahlinhalt im Internet auf lange Sicht für unumgänglich. "Ich glaube, was funktionieren kann und wird, ist über Qualität im Internet Geld zu verdienen." Mit Werbung allein sei dies nicht machbar. "Deshalb sehe ich keine andere Chance, als Pläne zu erarbeiten, wie man vorsichtig versuchen kann, im Internet zu Geld zu kommen."

"Raiffeisen Zeitung" gibt es schon

Dass der mächtige Raiffeisen-General Christian Konrad als Eigentümervertreter Einfluss auf die redaktionellen Inhalte des "Kurier" auszuüben versucht, wies Brandstätter entschieden zurück: "Man würde ja auch nicht vermuten, dass er bei der 'NÖM' anruft und sagt: Ich hab so gern das Ribiseljoghurt, macht mehr davon." Eine "Raiffeisen Zeitung" habe Konrad außerdem schon und inhaltliche Interventionen würden sich nur schlecht auf das Produkt auswirken: "Er hat das selbe Ziel wie wir, möglichst viele Zeitungen zu verkaufen."

Zwangsgebühren

Kritik übte Brandstätter an den ORF-Gebühren. "Warum ich für einen Verbreitungsweg zwangsweise zahlen muss und für andere nicht, wird mir immer unklarer." Man werde mit dem Gesetzgeber auch darüber diskutieren müssen, ob im Zuge einer Gebührenreform nicht auch andere Medienformen in den Genuss von solchen Geldern kommen sollten. Als Beispiel brachte er die Servus TV-Komödie "Eine Couch für alle" von Regisseur Reinhard Schwabenitzky: "Der ORF bekommt Geld und produziert einen Schwabenitzky. Servus TV produziert einen Schwabenitzky und bekommt kein Geld."

Aufs Korn nahm der "Kurier"-Chefredakteur auch "versteckte Presseförderung" in Form von Inseratenvergaben durch die Regierung. "Warum das BMVIT in einer Zeitung, die Forscher wahrscheinlich nicht lesen, über einen Forschungsschwerpunkt Inserate schaltet, kann ich mir ganz schwer ausdenken, außer: Wenn dann vorne jemand schreibt, dass die Frau Bures wieder einmal am richtigen Weg ist. Das ist Presseförderung a la Österreich." (prie/APA)

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