Murdoch steckt Millionen in iPad-Zeitung

23. November 2010, 09:36
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Eine Tageszeitung, die nur am iPad erscheint: Investition von 30 Millionen Dollar

Rupert Murdoch, mit 79 nicht gerade ein Mitglied der Generation "digitaler Eingeborener", ist fest entschlossen sich als Retter der Zeitungsbranche zu profilieren. Sein jüngstes Projekt: Eine Tageszeitung, die ausschließlich als iPad-Ausgabe existieren soll. Ab Anfang nächsten Jahres soll "The Daily" erscheinen, berichten New York Times und Guardian. Murdochs Medienimperium News Corp. soll 30 Millionen Dollar in das Projekt investieren, das im 26. Stock seiner New Yorker Zentrale entwickelt wird.

"Mischung aus Boulevard-Instinkt und Qualitätszeitung"

Hundert Journalisten sollen die "Mischung aus Boulevard-Instinkt und Qualitätszeitung" produzieren, die täglich nur einmal am iPad - und künftig vermutlich auf weiteren Tablets - erscheinen wird und die es nicht als gedruckte Ausgabe geben wird. Die Journalisten-Mischung entspricht dem angepeilten Hybrid-Konzept: Da ist u.a. die Musikkritikerin Sasha Frere-Jones vom angesehenen New Yorker; Steve Alperin, ein profilierter TV-Produzent, sowie Richard Johnson von der New York Post, Murdochs Boulevard-Standbein in New York. Von dort wird wahrscheinlich auch der Chefredakteur kommen, Jesse Angelo, laut Guardian ein "aufstrebender Stern im News-Corp-Firmament".

"Das ist unser aufregendstes Projekt", bestätigte vergangene Woche Murdoch die Daily-Pläne auf Fox, quasi dem TV-Hauskanal von News Corp., und Sohn James durfte auf der anderen Atlantik-Seite mit den Worten "unser Herzeigeprojekt" beipflichten.

Apple-Beteiligung ungeklärt

Die mögliche Beteiligung Apples an dem Vorzeigeprojekt ist ungeklärt. 30 Prozent des Umsatzes - The Daily soll 0,99 Dollar pro Woche kosten - ist der Anteil, den alle Apps an Apple dafür abliefern, dass es die technische Plattform bereit stellt und den Vertrieb besorgt. Ob sich Apple darüber hinaus engagiert, wird von den beiden Firmen nicht kommentiert. Fernsehserien von Fox-TV gehörten zu den ersten Streaming-Angebote für das neue Apple TV, möglicherweise sicherte sich Murdoch damit eine bevorzugte Behandlung für seine iPad-Zeitung.

Murdoch, der noch vor einigen Jahren laut darüber nachdachte die Abo-Gebühr des Wall Street Journal abzuschaffen, gehört inzwischen zu den vehementesten Verfechtern von Gebühren für Online-Angebote. Im Juli zogen Times und Sunday Times Zahlmauern für ihre Websites hoch, nach eigenen Angaben sollen in den ersten vier Monaten rund 100.000 Zahlungen eingegangen sind - die Hälfte allerdings nur einmal. (spu, DER STANDARD/Printausgabe, 23.11.2010)

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    Nicht so tiefer Boulevard wie die "Sun": Rupert Murdoch will mit "The Daily" den Übergang von Druck zu digitalen Medien am iPad vorexerzieren.

     

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