Elitärer Saison­abschluss

20. November 2010, 17:21
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Roger Federer kann beim ATP Tour Finale in London zu Ivan Lendl und Pete Sampras aufschließen - Nadals Form als große Unbekannte - Melzer/Petzschner gegen Favoriten

London - Der Jahresausklang auf internationaler Tennis-Bühne versammelt ab Sonntag für eine Woche jeweils die besten acht Einzelspieler und Doppel-Paare der Saison in der Londoner O2-Arena. Beim "ATP World Tour Finale" geht es im Einzel um die Nachfolge des diesmal nicht qualifizierten Russen Nikolaj Dawydenko. Im Doppel ist das US-Paar Bob und Mike Bryan Titelverteidiger, sie eröffnen gegen den Österreicher Jürgen Melzer und den Deutschen Philipp Petzschner das Turnier.

Roger Federer hat unter den Einzel-Akteuren die meisten Saison-Finalturniere gespielt, der Schweizer ist zum schon neunten Mal - und das in Folge - dabei. Rekord-Teilnehmer ist Andre Agassi mit 14 Teilnahmen. Während de US-Amerikaner die Siegestrophäe aber nur einmal und zwar 1990 erobert hatte, trug sich Federer schon viermal in die Ehrentafel ein. Mit einem weiteren Erfolg würde er zu den Rekordsiegern Ivan Lendl (CZE) und Pete Sampras (USA) aufschließen.

2010 ist allerdings Federers schwächstes Jahr, seit er 2004 erstmals die Führung der Weltrangliste übernommen hatte. Doch der 29-Jährige ist noch immer Weltranglisten-Zweiter und hat vor allem in den vergangenen Wochen mit Titelgewinnen in Stockholm und Basel sowie seinem erstmaligen Einzug in das Halbfinale des Pariser Hallen-Turniers aufgezeigt. "Ich fühle, dass da noch Kraft für ein Turnier in mir ist", erklärte Federer. "Mein Körper ist noch nicht auf Urlaub."

In seinem Auftaktmatch gegen den als Nummer sieben gesetzten Spanier David Ferrer ist der Gewinner von 16 Grand-Slam-Turnieren klarer Favorit, im Head-to-Head führt er 10:0. Der Iberer hat Federer aber in drei der jüngsten vier Turnieren immerhin einen Satz abgenommen. Das zweite Gruppe-B-Match bestreiten am Sonntag der Schwede Robin Söderling (4) und der Schotte Andy Murray (5).

Wie gut ist Nadal?

Besonders Söderling ist in der englischen Hauptstadt hoch einzuschätzen, hat er doch erst in der vergangenen Woche in Paris seinen ersten Masters-1000-Titel geholt. Im direkten Vergleich steht es 2:2, doch gingen die jüngsten beiden Duelle mit 2:0 Sätzen an den Skandinavier. Der 26-Jährige hatte im Vorjahr bei seiner Debüt-Teilnahme gleich seine Gruppe gewonnen, unterlag im Halbfinale Dawydenko. Auch Murray wartet bei diesem Event noch auf sein erstes Finale, auf ihn setzen natürlich die Zuschauer.

Gemessen an seiner deutlichen Weltranglisten-Führung müsste eigentlich Rafael Nadal als Top-Favorit ins Turnier gehen, doch die aktuelle Verfassung des Gewinners der jüngsten drei Grand-Slam-Turniere ist die größte Unbekannte. Seit seinem Achtelfinal-Out vor mehr als fünf Wochen in Shanghai gegen Melzer hat er kein Match mehr gespielt, zuletzt ließ er Paris wegen einer Zerrung in der linken Schulter aus.

Bei Indoor-Events hat Nadal überhaupt erst einen Titel geholt, weshalb er einen Finalerfolg am Sonntag nächster Woche sogar über einen Major-Titel stellen würde. "Für mich ist es schwieriger, in der Halle vier Matches gegen Top-8-Spieler zu gewinnen als auf einem anderen Belag sieben bei einen Grand Slam. 2009 war der 24-Jährige in London gar ohne Matchgewinn geblieben, doch für heuer ist er doch vorsichtig optimistisch.

In seiner ersten Partie der Gruppe A trifft Nadal Montagabend auf Andy Roddick (8), beiden fehlt beim Saisonfinale ebenfalls noch ein Endspiel-Einzug. Novak Djokovic (3) hat das Turnier bei der letzten Austragung in Shanghai hingegen sogar schon gewonnen (2008), er beginnt gegen den zuletzt nicht überzeugenden Tschechen Tomas Berdych (6).

Im Doppel sind die Bryan-Zwillinge mit drei Titelgewinnen die erfolgreichsten der diesmal antretenden Paare, gegen Melzer/Petschner haben sie zuletzt in der dritten Runde der Australien Open gewonnen. Diese Partie versammelt übrigens die Gewinner von drei der vier heurigen Grand-Slam-Turniere. Melzer/Petzschner sind ja Wimbledon-Sieger, die Bryans haben die Australien und US Open gewonnen. (APA)

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