Tilo Berlin: "Das Fenster des Glücks ist kurz und klein"

19. November 2010, 17:51
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Vertrauliche Briefe von Berlin und der Mitarbeiter-Privatstiftung an Jörg Haider und BayernLB-Chef Werner Schmidt

Wien - Eine zentrale Frage in der Causa Kärntner Hypo dreht sich um den Termin, zu dem die Investoren um Tilo Berlin wussten, dass die BayernLB die Bank kaufen würden. Berlin und Investoren waren Ende 2006 und Anfang 2007 eingestiegen, die Bayern übernahmen im Mai; Berlin und Co. machten einen Superschnitt.

In einer Anzeige der Hypo beim Staatsanwalt, die sich auch gegen Berlin richtet, werden "Indizien" erwähnt, "dass zwischen Berlin & Co. und BayernLB seit längerem Konsens über den Weiterverkauf der Beteiligung an die BayernLB bestand". Der "Reflex Berlins" auf die Bekanntgabe neuer Interessenten lasse diese Deutung zu. Berlin weist die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

Tatsächlich reagierte er schockiert, als Erste und Raiffeisen im Mai ihr Interesse kundtaten. Am 18. Mai schrieb er an den Kärnten-Berater Dietrich Birnbacher (er bekam sechs Mio. Honorar vom Land): "Ich höre mit Schrecken, dass es auf Landesebene Überlegungen gibt, ernsthaft über alternative Käufer nachzudenken. Ich hoffe sehr, dass sich die handelnden Personen der auf dem Tisch liegenden Chance bewusst sind, ebenso wie des Risikos, zwischen allen Stühlen zu landen. Auch wäre es sehr unklug, den künftigen Partner in irgendeiner Form den Appetit zu verderben. Das Fenster des Glücks ist kurz und klein, wenn es nicht erkannt wird, wäre damit zumindest für das Land und die Bank nachhaltiger Schaden unvermeidbar. Von der BayernLB ist klar, dass jede Verzögerung ... zur sofortigen Rücknahme des Angebotes führen würde", auch für Berlin & Co komme ein Verkauf an Raiffeisen oder "Sparkassenlager nicht infrage".

Selbentags wandte sich auch die "äußerst besorgte" Hypo-Mitarbeiter-Privatstiftung (Bank-Aktionär; im Vorstand saß Wolfgang Kulterer) an Birnbacher in seiner Rolle als "Vertrauensmann von ... Jörg Haider und Landesholding-Aufsichtsratsvorsitzendem Martinz". Die Stiftung sei "nicht bereit, auch nur eine Aktie für eine andere Partnerschaft (als die mit Bayern; Anm.) freizugeben". Beide Briefe wurden an Haider und Bayern-Chef Werner Schmidt gefaxt - und zwar "vertraulich". (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.11.2010)

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