Das Gespenst geht um

19. November 2010, 17:19
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Ein "Künstler" in der Analphase - Von Thomas Trenkler

Die Einladungskarte von Karola Kraus war blütenweiß, die Schrift schillerte. Die Galeristinnen, beinahe in Mannschaftsstärke zur Antrittspressekonferenz der neuen Direktorin ins Mumok gekommen, schlürften Sekt, in dem Flankerln aus Silber und Gold schwammen. Alles eitel Wonne also.

Man hielt sich gar vornehm zurück, als Karola Kraus der Kulturministerin für "ihr großzügiges Geschenk" (2,7 Millionen Euro Steuergeld) dankte. Was die Direktorin doch ein wenig verblüffte: Sie forderte mehr Applaus.

Vor einem Monat war es im Mumok nicht so gesittet zugegangen. Bei der Eröffnung von "Hyper Real" fiel ein Mann, dessen Name hier bewusst verschwiegen wird, an den unpassendsten Stellen in hysterisches Klatschen.

Das Stören war natürlich Konzept: Wenig später, bei der Eröffnung der Ausstellung "Living Across" in der Akademie, pfiff der Mann ohrenbetäubend und beschmierte sich schließlich mit Fäkalien.

Bei der Eröffnung von "Hard to Sell, Good to Hav"e im Palais Sturany am Schottenring 21 - zu sehen nur noch am Samstag und Sonntag von 12 bis 17 Uhr - überspannte er den Bogen: Er warf Scheiße an die Wände und dem Künstler Jakob Lena Knebl ins Gesicht. Dessen Performance war damit zerstört. Die Kuratorinnen Alexandra Grausam und Elsy Lahner warnten nun andere Häuser. Denn solche Attacken haben nichts mit der Freiheit der Kunst zu tun.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.11.2010)

 

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