Millionen-Verlust im dritten Quartal

18. November 2010, 16:35
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Fusion mit Party-Gaming läuft "nach Plan" - Sieg in deutschem Rechtsstreit mit WestLotto

Wien - Der börsenotierte Online-Glücksspielkonzern bwin hat im dritten Quartal 2010 einen Nettoverlust eingefahren. Das Betriebsergebnis (EBIT) sank auf -6,2 Mio. Euro nach 8,2 Mio. in der Vorjahresperiode, das Ergebnis nach Steuern betrug -6,0 nach 7,9 Mio. Euro im dritten Quartal 2009. Das schwache dritte Quartal schlägt sich im Ergebnis der ersten neun Monate nieder: Der Nettogewinn der drei Quartale liegt bei 8,7 Mio. Euro, nach 26,9 Mio. Euro in der Vorjahresperiode.

Deutlich gestiegen sind hingegen die Brutto-Gaming-Erträge, die im dritten Quartal nun 123,3 (101) Mio. betragen. Die Netto-Gaming-Erträge liegen im dritten Quartal bei 95,3 (83,3) Mio. Euro ebenfalls höher als in der Vorjahresperiode, teilte das Unternehmen Donnerstagfrüh ad hoc mit.

Bwin-Vorstandsvorsitzender Norbert Teufelberger erläutert den Quartalsverlust mit den Markteintrittskosten in Frankreich. Derzeit sei es noch nicht möglich, in Frankreich profitabel zu arbeiten, der Glücksspielkonzern rechne jedoch fest damit. Die französische Regulierungsbehörde prüfe gerade die hohen Glücksspielabgaben. "Wenn die Steuern gesenkt werden oder wenn die anderen Anbieter auch dazu gezwungen werden, in Frankreich Steuern abzuführen, dann werden wir in Frankreich Gewinn erzielen", zeigt er sich optimistisch.

Fusion nach Plan

Die Fusion von bwin mit der britischen PartyGaming laufe "nach Plan", sagte Teufelberger. Die Bemühungen zur kartellrechtlichen Zustimmung in verschiedenen Ländern befänden sich in Arbeit, "alles läuft auf Hochtouren", versicherte er. "Wir sind zuversichtlich, dass wir Ende erstes Quartal 2011 den Zusammenschluss abschließen". Durch die Fusion werde es eine Umschichtung geben, weil der Holdingstandort von Wien nach Gibraltar verlegt werde. Es sei aber noch nicht fix, ob in Wien überhaupt Arbeitsplätze gestrichen werden, weil gewisse andere Bereiche aufgebaut werden sollen. Eine Prognose für das Gesamtjahr 2010 gebe bwin nicht ab, so der CEO.

Ungenügendes Glücksspielgesetz

Die neuerliche Reparatur des österreichischen Glücksspielgesetzes sei für bwin "ungenügend", weil die Online-Industrie nicht geregelt wurde. "Daher sind wir zögerlich mit einem langfristigem Commitment zum Standort Wien", erläutert Teufelberger. Bwin möchte ein Lizenzierungssystem für Österreich, durch das "private und staatliche Anbieter" nach gewissen Kriterien zugelassen werden können. "Wir sind bereit in Österreich Glücksspielsteuern abzuführen, aber es muss uns ein gesetzlicher Rahmen gegeben werden", so der CEO. "Wir können langfristig nur in einem Land investieren, das einen gesetzlichen Rahmen für privates Online-Gaming vorsieht". Teufelberger ist aber zuversichtlich: "Es gibt sehr konstruktive Gespräche mit der Politik, mit verschiedenen Ministerien, auch mit dem Finanzministerium", erklärt er. "Wir erwarten, dass Österreich einen Schwenk macht und eine zukunftsweisende Regelung vorsieht, die auch europakonform ist."

Mit Frankreich, wo bwin jetzt den Markteintritt vollzogen hat, verbinden den bwin-Vorstand negative Erfahrungen. Im September 2006 waren Teufelberger und sein Vorstandskollege Manfred Bodner bei einer Pressekonferenz in Monte Carlo wegen des Verdachts auf illegales Glücksspiel festgenommen und vier Tage lang in einem Gefängnis in Nizza in Gewahrsam gehalten worden. "Wir wurden 2006 unter einem Gesetz aus dem Jahr 1832 angezeigt", erläuterte Teufelberger. Bisher sei kein Verfahren gegen ihn und Bodner eröffnet worden, die Ermittlungen seien aber auch nicht eingestellt. "Es wäre angenehmer, wenn man hier ein Ende hätten", meint Teufelberger. Die Verfahren werden sich alle "in Rauch auflösen", wenn die Länder Lizenzierungssysteme einführen, zeigt sich Teufelberger auch hier optimistisch. Die EU habe gegen Frankreich wegen der restriktiven Glücksspielgesetze ein Infringement-Verfahren (Vertragsverletzung, Anm.) eingeleitet, Frankreich habe schließlich sein Gesetz geändert und den Markt geöffnet.

Teufelberger selber sieht sich durch die offenen Ermittlungen gegen ihn jedenfalls in seiner Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt, er sei seit der Haft schon viele Male wieder in Frankreich gewesen.

Ende eines Rechtsstreits in Deutschland

In Deutschland hat der Glückspielanbieter vor dem deutschen Bundesgerichtshof (BGH) indes einen sechs Jahre dauernden Zivilrechtsstreit gegen den deutschen Glücksspielanbieter WestLotto erfolgreich beendet, berichtet der Anwalt des Unternehmens bwin in Österreich, Thomas Talos. Der staatlich zugelassene Betreiber WestLotto habe bwin im Jahr 2004 auf Unterlassung geklagt, der Konzern solle in Deutschland keine Glücksspiele anbieten. Nachdem WestLotto in erster und zweiter Instanz recht bekommen habe, habe jetzt bwin vor dem BGH gewonnen, so der Anwalt: "Jetzt ist ein sechsjähriger Rechtsstreit endgültig zugunsten von bwin entschieden." (APA)

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