"Don't touch my Junk" - Ärger mit Nacktscannern

17. November 2010, 16:41
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Aufregung über Nacktscanner an US-Flughäfen - 31-Jähriger, der Leibesvisitation verweigerte, als Held im Internet

New York - In den USA hat der Protest eines Flugreisenden gegen die intensiven Kontrollen eine Diskussion über Nacktscanner und Leibesvisitationen an Flughäfen ausgelöst. Für Gegner der verschärften Kontrollen ist der Informatiker John Tyner inzwischen zur Ikone des Protests geworden, nachdem er sich am Flughafen von San Diego geweigert hatte, sich im Intimbereich abtasten zu lassen.

Ein Video im Internetportal YouTube zeigt den 31-jährigen Tyner, wie er einen Sicherheitsbeamten anfährt: "Geh mir nicht ans Zeug, sonst lass ich dich festnehmen." Zuvor hatte sich Tyner geweigert, den neuen Nacktscanner zu passieren, der erlaubt, unter der Kleidung verborgene Gegenstände zu erkennen. Wegen seines Ausbruchs wurde Tyner des Flughafens verwiesen. Seit Veröffentlichung des Videos reißt die Diskussion um die invasiven Sicherheitsmaßnahmen an US-Flughäfen nicht ab.

Eingeführt wurden die Nacktscanner, nachdem vergangenes Weihnachten ein Passagier versucht hatte, eine Maschine auf dem Landeanflug auf Detroit mit Sprengstoff in die Luft zu jagen, den er in seiner Unterwäsche versteckt hatte. Bisher gibt es Ganzkörper-Röntgenscanner an 65 US-Flughäfen.

Laut einer Umfrage vom Dienstag unterstützen zwar acht von zehn US-Bürgern vor dem Hintergrund der gestiegenen Terrorgefahr die Aufstellung der Scanner. Gleichzeitig aber steigt die Zahl derer, die sich über eine Verletzung ihrer Rechte sorgen. Im Internet kursieren bereits Aufrufe, den 24. November - den Tag vor Thanksgiving, an dem besonders viele Amerikaner zu ihren Familien fliegen - zum "nationalen Verweigerungstag" zu machen.

Trotz aller Versicherungen der Flugsicherheitsbehörde TSA, dass die Scanner-Aufnahmen nicht an die Öffentlichkeit gelangten, gibt es erhebliche Kritik an den Kontrollen. Viele sehen darin einen nicht hinnehmbaren Eingriff in ihre Privatsphäre. "Inzwischen ist es soweit, dass jedes Mal, wenn wir an Weihnachten zu Oma fliegen, unsere Genitalien aufgenommen werden", schreibt der "Huffington Post"-Leitartikler Jay Michaelson. Er sieht darin "eine empörende Ausweitung des Polizeistaates".

Die "Daily News" sieht zumindest Anpassungsbedarf bei der Wortwahl der Sicherheitsbeamten. Bei Tyner hätten die Anweisungen des Beamten wie in einem leicht schmierigen Massagesalon geklungen, schreibt das Blatt. So ist auf dem Video der Beamte mit den Worten zu hören: "Wir werden nun eine Leistenkontrolle vornehmen. Das heißt, ich lege meine Hand auf Ihre Hüfte und meine andere Hand auf die Innenseite Ihres Schenkels und werde dann langsam hoch- und runtergleiten." (APA)

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