Wieder mehr Frauen im Frauenhaus

17. November 2010, 17:51
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Hälfte der Bewohnerinnen bleibt ein halbes Jahr, 40 Prozent verlassen Haus schon nach zwei Wochen

Wien  - Im Vorjahr wandten sich wieder mehr Frauen an die Wiener Frauenhäuser: Der Andrang bei den notorisch überfüllten Frauenhäusern stieg im Jahr 2009 um fünf Prozent. Frauenhäuser sind Einrichtungen, die Opfern häuslicher Gewalt Schutz vor ihren gewalttätigen Männen bieten sollen.

Rund drei Viertel der Frauen, die 2009 in einem Frauenhaus Hilfe suchten, kamen zum ersten Mal, 17 Prozent das zweite Mal und sieben Prozent sogar dreimal oder öfter. 14 Prozent kamen direkt von der Polizei.

Viele Opfer erstatten keine Anzeige

Nach ihrer Flucht erstatteten 160 Frauen im Frauenhaus Anzeige wegen Körperverletzung, 101 wegen gefährlicher Drohung, 37 wegen Nötigung und 15 wegen sexueller Gewalt. "Es gibt aber auch sehr viele Frauen, die trotz massiver Gewalt keine Anzeige erstatten wollen", betonte Martina Ludwig-Faymann, Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser. Die Gründe dafür seien zahlreich: Die Opfer würden den Vater ihrer Kinder nicht anzeigen wollen, hätten Angst vor Rache oder könnten es sich nicht vorstellen, vor Gericht auszusagen. Die ambulante Beratungsstelle der Frauenhäuser verzeichnete im Vorjahr 8.516 Beratungskontakte, 1.474 davon fanden persönlich statt.

Aufgrund der steigenden Zahl an Hilfesuchenden wurden die Betreuungsplätze laufend ausgeweitet: 1999 gab es noch 96 stationäre Plätze, derzeit stehen 166 zur Verfügung. 2012 wird ein neues Frauenhaus in Betrieb genommen. Das Gebäude löst jedoch ein altes Haus ab, das dem Standard nicht mehr entspricht. Es werden neun zusätzliche Plätze entstehen.

Hälfte bleibt ein halbes Jahr

Rund 41 Prozent der Gewaltopfer blieben zwei Wochen oder kürzer, 49 Prozent ein halbes Jahr und zehn Prozent nahmen die Frauenhäuser sogar länger in Anspruch.

Zusätzlich zu den Wohneinheiten in Frauenhäusern betreibt der Verein 52 Übergangswohnungen, wo die Frauen nach dem Aufenthalt im Frauenhaus unterkommen können: In diesen Räumlichkeiten lebten im Vorjahr 87 Frauen mit ihren 83 Kindern. 28 Prozent der Hilfesuchenden gaben 2009 beim Auszug an, wieder zu ihrem Mann zurück zu kehren. Mehr als zwei Drittel der Betroffenen entschieden sich für eine Trennung.

Für viele Migrantinnen der einzige Weg

"Mehr als die Hälfte der 2009 betreuten Frauen waren Migrantinnen", berichtet Andrea Brem, Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser. Migrantinnen seien oft ökonomisch abhängig vom Partner und hätten weder Freunde noch Familie, wo sie bei Gewalt Schutz suchen könnten. Für sie gebe es meist keine andere Möglichkeit, als ins Frauenhaus zu flüchten.

Insgesamt flüchteten im Vorjahr 583 Frauen und 571 Kinder in eines der vier Frauenhäuser in der Bundeshauptstadt, weil sie in den eigenen vier Wänden häuslicher Gewalt ausgesetzt waren. Das sind um 26 Frauen und 57 Kinder mehr als 2008.

"Jede Frau, die Gewalt erlebt, ist eine zu viel", betonte die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger.  Für die kommende Funktionsperiode kündigte sie den Ausbau des "Wiener Gewaltschutznetzes" an. So werde sie Themen wie K.-o-Tropfen, sexualisierte Gewalt in Beziehungen und Pornografie aufgreifen und Aktivitäten setzen.

(APA)

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    Bieten Schutz für Frauen vor ihren Männern: Wiener Frauenhäuser

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