UN-Soldaten schießen auf Demonstranten

16. November 2010, 17:53
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Zwei Tote nach Protesten gegen nepalesische Blauhelme, die Infektionsträger sein sollen

Port-au-Prince/Wien - Der Ausbruch der Cholera bereitet der Uno zunehmend Sorgen - nicht nur aus medizinischer Sicht. "Es ist offensichtlich ein Thema der nationalen Sicherheit, die ersten Demonstrationen gegen Behandlungszentren starten bereits" , teilt Nigel Fisher, stellvertretender Leiter der UN-Mission auf Haiti via Aussendung mit. Dass am Montag bei Protesten vor dem UN-Stützpunkt in Cap-Haitien von Blauhelm-Soldaten zwei Demonstranten erschossen wurden, folgt erst im nächsten Absatz.

Wut auf stationierte nepalesischen Blauhelme

Hintergrund der Demonstration mit rund 1000 Teilnehmern ist die Wut auf dort stationierte nepalesischen Blauhelme. Die Bevölkerung verdächtigt sie nämlich, Auslöser der Seuche zu sein. Die räumliche und zeitliche Nähe ist auffällig:Eine Woche nach Ankunft der asiatischen Soldaten traten in der Nähe des Camps die ersten Cholera-Fälle auf.

Sanitäre Probleme auf dem Stützpunkt

Die Uno bestreitet die Vorwürfe - eine Analyse des Erregers durch das US-Zentrum für Seuchenkontrolle habe nur bestätigt, dass das Bakterium mit einem in Südasien vorkommenden Typ übereinstimme. Allerdings gestand eine UN-Sprecherin der Nachrichtenagentur AP, dass es sanitäre Probleme auf dem Stützpunkt gegeben habe.

Die Lage wird für die Uno aber bedrohlicher - in der Stadt Hinche wurden sechs nepalesische Soldaten bei Protesten verletzt. Möglicherweise wird der Unmut auch von Politikern geschürt, vermutet die Organisation - Ende November soll gewählt werden.

Bis zu 200.000 Erkrankte

Über die Verbreitung der Krankheit gibt es noch immer nur ungenaue Angaben. Mindestens 12.000 Patienten kamen laut Vereinten Nationen in Spitäler, über 800 Menschen starben an der Infektion. Die Zahlen würden aber deutlich steigen, sagt UN-Mann Fisher, da derzeit die Statistiken aus abgelegeneren Gebieten ausgewertet werden. Bis zu 200.000 Menschen könnten in den kommenden sechs bis zwölf Monaten erkranken. Spätestens dann kann man von einer Epidemie sprechen, die als örtlich und zeitlich begrenzte Häufung definiert ist.

Schluckimpfung gegen die Cholera existiert

Eine Schluckimpfung gegen die Cholera existiert - innerhalb von zwei Wochen müssen zwei Tabletten eingenommen werden, geschützt ist man mindestens sechs Monate. In Österreich kostet die Impfung 74 Euro, ob der Hersteller, die Firma Baxter, die Medikamente bereits nach Haiti liefert, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht eruieren. (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe 17.11.2010)

 

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    UN-Soldaten patrouillieren in einem Camp für Erdbebenopfer in Port-au-Prince

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    Bis zu 200.000 Menschen könnten in den kommenden sechs bis zwölf Monaten an Cholera erkranken

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    Über die Verbreitung der Krankheit gibt es noch immer nur ungenaue Angaben. Mindestens 12.000 Patienten kamen laut Vereinten Nationen in Spitäler, über 800 Menschen starben an der Infektion

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