"Die Niederlage der Jungen ist unvermeidbar"

16. November 2010, 18:57
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Eine neue IHS-Studie nimmt den angeblichen Generationenkonflikt unter die Lupe

Wien - Die Alten fressen den Jungen die Zukunft weg: So lautet ein beliebter Vorwurf in der Debatte um die Budgetsanierung - etwa wenn kritisiert wird, dass die Pensionen geschont würden, während bei Bildung gespart werde.

Im Auftrag der Jungen Industrie hat das Institut für Höhere Studien (IHS) die These überprüft - mit zwiespältigem Ergebnis. Was den Status quo betrifft, ist die behauptete Schieflage eine Mär. Das IHS hat verglichen, welche Geld- und Sachleistungen Bürger der Jahrgänge 1950, 1970 und 1990 im Laufe eines Lebens - vom Kindergarten bis zur Pension - vom Staat erhalten. Die jüngste Generation zahlt zwar mehr Abgaben, bezieht aber auch höhere Leistungen - unterm Strich steigen die drei Gruppen fast gleich aus. Die Jungen liegen lediglich, wie Ko-Autor Ulrich Schuh sagt, um einen vernachlässigbaren Deut schlechter.

Jedoch fügen die Forscher ein großes "Aber" an: Die Studie rechnet mit jenen Leistungen, die der Staat den verschiedenen Generationen nach aktuellem Stand verspricht - doch die seien nicht annähernd durch zukünftige Einnahmen gedeckt. Um die daraus entstehende "Nachhaltigkeitslücke" zu schließen, seien Sparpakete oder Steuererhöhungen unumgänglich. Diese konnten die Autoren mangels hellseherischer Fähigkeiten aber natürlich nicht in der Bilanz verbuchen.

Schuh glaubt deshalb, dass sich die vielbeschworene Schieflage unweigerlich einstellen werde. Die Ältesten hätten bereits einen Großteil ihrer Leistungen bezogen und ihre Abgaben entrichtet, sagt der Experte: Sollen auch sie bei der Konsolidierung, bei der das aktuelle Budget nur ein Auftakt sei, mitzahlen, müsste die Politik rasch handeln. "Doch ich sehe keine entschlossenen Reformen bei Gesundheit und Pensionen", urteilt Schuh. Und selbst wenn doch, ließe sich die künftige Belastung der Jungen nicht mehr voll aufwiegen: "Ihre Niederlage ist unvermeidbar."(Gerald John, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1711.2010)

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    "Ich sehe keine entschlossenen Reformen bei Gesundheit und Pensionen", urteilt Studien-Ko-Autor Schuh.

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