In einem tiefen Wald

14. November 2010, 18:57
7 Postings

Im Gran Chaco leben noch Völker, die nie Kontakt zur Außenwelt hatten

Weit weg geht es heute, nach Südamerika, konkret nach Paraguay: in den großen Urwald mit Namen Gran Chaco, ganz im Norden des Landes.

Der Chaco wird auch die "grüne Hölle" genannt. Er gilt als einer der biologisch vielfältigsten Orte der Erde. Die schiere Undurchdringlichkeit hat diesen Flecken vor Zivilisierung, Vermessung, Verwertung bewahrt. Hier leben noch Völker, die nie Kontakt zur Außenwelt hatten.

Wobei: Missionare waren einmal da, ein Teil des indigenen Ayoreo-Volkes ist seitdem sesshaft. Andere starben an Infektionen wie Schnupfen. So etwas läuft unter Kollateralschaden, der mitsamt dem rechten Glauben eingeschleppt wurde.

Wieder anderen gelang die Flucht - tiefer in den tiefen Wald. So leben noch viele Ayoreo in radikaler, selbstgewählter Isolation vom Rest der Menschheit, nach eigenen Regeln und Gebräuchen: fragile Inseln der Eigenheit in einer ansonsten globalisierten Welt.

Jetzt droht erneut Gefahr - ausgerechnet durch Forscher des britischen Natural History Museum, die den Bio-Reichtum dieses Urwalds für die Zivilisation bergen wollen. Unbekannte Tierarten, Pflanzen, potenziell heilsame Wirkstoffe warten auf Entdeckung.

Aktivisten versuchen, dies zu verhindern. Wir dürfen ihnen wünschen, dass sie Erfolg haben. Manche Schätze entfalten ihren Zauber nur, solange sie nicht gehoben sind. So zumindest steht es im Märchen. (Severin Corti/DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2010)

Share if you care.