Unbeschriebenes Blatt macht einen Karrieresprung

12. November 2010, 18:52
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Die neue Staatssekretärin Verena Remler gilt als politische Newcomerin, wird als "unerfahren" und "leicht steuerbar" eingeschätzt

Recht hektisch ist die Stimmung im Büro des Arbeiter- und Angestelltenbundes (AAB) in Innsbruck Freitag am späten Nachmittag: "Wir haben es auch nicht gewusst ...", murmelt ein Mitarbeiter. Lebenslauf? Foto? Müssen wir erst suchen. So richtig zu kennen scheint die 38-jährige Verena Remler in politischen Kreisen niemand. Sie sei aber nett und erfolgreich. Und Juristin, mit Praktikum im Verwaltungsdienst.

Remler sitzt erst seit den Gemeinderatswahlen, also seit 14. März 2010, im Lienzer Gemeinderat. Eine Wortmeldung hat es von der Osttirolerin bis dato bei Sitzungen noch nicht gegeben. Also sei sie schwer einschätzbar. Allerdings: "Sie schaut tadellos aus, eine charmante Erscheinung", heißt es überraschend oft - auch von politischen Gegnern. Diese wünschen ihr dazu noch viel Glück auf dem rutschigen Wiener Parkett.

Doch Remler braucht vermutlich kein Glück. Denn sie hat - zumindest bis jetzt - prominente schwarze Damen und Herren, die sich für sie politisch starkmachen". So soll der Lienzer Bürgermeister Johannes Hibler gerne für sie Wortduelle in Ausschüssen führen. Auch ins Amt gerutscht sein dürfte sie über eine mächtige Tirolerin: Die Grande Dame der Tiroler VP, Helga Machné, dürfte Remler nach Wien gebracht haben. Machné war selbst von 1994 bis 2003 Bürgermeisterin von Lienz und jahrelang Landesparteiobfrau der Tiroler Volkspartei. Und Machné gilt noch immer als "mit allen Wassern gewaschene" Netzwerkerin und Marek-Freundin. Derzeit ist Machné Obfrau des Sozial- und Gesundheitssprengels von Lienz, dessen Geschäftsführerin Verena Remler bis zuletzt war.

Vor ihrer politischen Karriere war Remler übrigens im Fremdenverkehr. Sie werkte für einen Tourismusverband. Damals hieß sie noch Wolf, und man erinnert sich in Osttirol daran, dass sie plötzlich verschwunden war - bis sie als Frau Remler wieder auftauchte.

Sie gilt als politische Newcomerin, wird als "unerfahren" und "leicht steuerbar" eingeschätzt. Sie werde die "Führung" aus dem schwarzen Hintergrund brauchen, sagen Politikkollegen. Denn nach einem kleinen Sozialsprengel in einem Staatssekretariat zu bestehen dürfte ohne Einflüsterer schwierig werden. Verena Remler ist seit letztem Sommer verheiratet und hat eine Tochter. Ihr Mann ist Künstler. Außergewöhnliche Hobbys soll die "sozial kompatible" Tirolerin nicht haben: Skifahren, Bergsteigen und - familiär bedingt - Kunst. (Verena Langegger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.11.2010)

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