Über 900 Cholera-Tote: Epidemie könnte Nachbarländer erfassen

14. November 2010, 23:06
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Krankenhäuser sind überfüllt - Lage prekär

Die Zahl der Cholera-Toten in Haiti steigt weiter rasant an. Es seien bereits 917 Menschen an der gefährlichen Krankheit gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Port-au-Prince am Sonntag mit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit Freitag um mehr als 120. Seit Ausbruch der Cholera Mitte Oktober mussten den Angaben zufolge mehr als 14.600 Menschen im Krankenhaus behandelt werden.

Die UNO hat an die internationale Gemeinschaft appelliert, für die Eindämmung der Cholera in Haiti knapp 164 Millionen Dollar (120 Millionen Euro) bereitzustellen. Anderenfalls drohe der verarmte Karibikstaat von der Seuche "überrollt" zu werden.

In der Hauptstadt Port-au-Prince starben zwar bisher "lediglich" zehn Menschen an der Durchfallerkrankung. Die US-Behörden befürchten jedoch ein Übergreifen der Krankheit auf Nachbarländer - auch auf die USA. Cholera verbreitet sich vor allem über Wasser und Nahrung, verursacht heftigen Durchfall und Erbrechen und kann ohne rechtzeitige Behandlung innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Zusätzlich kämpft Haiti seit Monaten mit den Auswirkungen eines Erbebens vom 12. Jänner 2010 mit geschätzten 250.000 Toten.

Prekäre Lage

Die Epidemie hat laut MSF Port-au-Prince bereits fest im Griff. Während MSF-Teams in der ganzen Stadt die Einrichtungen auf 1.000 Betten aufstocken, berichtete Landeskoordinator Stefano Zannini am Freitag von der prekären Lage: "Die Situation ist für uns im Moment sehr beunruhigend. Alle Krankenhäuser in Port-au-Prince sind mit Patienten überfüllt und wir sehen sieben Mal so viele Fälle wie wir drei Tage zuvor insgesamt hatten."

Allein im Armenviertel Cite Soleil im Norden der Stadt hat MSF an einem Tag 216 voneinander unabhängige Cholerafälle verzeichnet, während es fünf Tage zuvor insgesamt 30 Fälle waren. Zannini: "Die Patienten kommen von überall innerhalb der Stadt, aus Armenvierteln und wohlhabenderen Gegenden. Im Moment haben wir 400 Betten für die Stabilisierung und Rehabilitation der Patienten bereitgestellt und hoffen bis zum Ende der Woche auf 1.000 Betten zu erweitern. Wenn die Anzahl der Fälle weiterhin in dieser Geschwindigkeit ansteigt, dann müssen wir drastische Maßnahmen ergreifen, um in der Lage zu sein, Patienten zu behandeln. Wir müssten öffentliche Plätze und sogar Straßen nutzen. Ich kann mir leicht vorstellen, dass sich die Situation soweit verschlechtert, dass Patienten in den Straßen liegen und auf eine Behandlung warten. Im Moment haben wir einfach nicht viele Möglichkeiten."

Trümmerhaufen

Doch Port-au-Prince gleicht nach dem Erdbeben im Jänner immer noch einem Trümmerhaufen. Es sei eine "große logistische Herausforderung" in dieser Stadt einen freien Platz zu finden, so der MSF-Koordinator. Im Moment stünden mehr als 100 internationale und mehr als 400 haitianische Mitarbeiter in Cholerabehandlungszentren im ganzen Land im Dauereinsatz. "Aber das reicht nicht aus. Wir stoßen an unsere Grenzen", so Zannini. Die Teams arbeiten rund um die Uhr: "Sie sind am Limit ihrer Kapazität angekommen und sehr erschöpft. Es ist nicht einfach, in einem Cholerabehandlungszentrum zu arbeiten, mit dem Geruch, dem Lärm und dem Druck aufgrund der zahlreichen Patienten. Wir werden aber nicht aufhören, eine Behandlung anzubieten." (APA)

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