"Sprache ist ein wichtiger Faktor"

11. November 2010, 18:51
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Die 16-jährige Aleksandara Izdebska war wenig begeistert, als sie mit ihren Eltern nach Wien zog

Die 16-jährige Aleksandara Izdebska war wenig begeistert, als sie mit ihren Eltern nach Wien zog. Doch die Polin biss sich durch Schule und Studium und ließ auch nicht locker, als ihr Mann und sie die Computerkette Ditech gründeten.

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Wo jemand geboren ist oder was für einen sogenannten Migrationshintergrund er hat, interessiert Aleksandra Izdebska nicht, wenn sie Bewerbungsunterlagen liest. Nicht einmal die Fotos schaut sie an. "Das ist doch unwichtig, wo ein Mensch herkommt oder wie er aussieht", sagt die 34-jährige Geschäftsführerin der österreichischen Computerfachkette Ditech. "Die Frage ist doch, wie er motiviert ist."

Umso mehr ärgert es sie, wenn "gewisse" Politiker mit ihren politischen Programmen die Aufmerksamkeit auf die Unterschiede und nicht auf die Gemeinsamkeiten aller Menschen lenken, die ihr Leben aus unterschiedlichsten Gründen nach Österreich geführt hat.

Sie selbst kam 1991 als 16-Jährige mit ihrer Familie aus Warschau nach Wien, ohne jegliche Deutschkenntnisse. "Übermäßig begeistert, meine Freunde in Polen verlassen zu müssen, war ich nicht", erzählt sie im Gespräch mit dem Standard. Doch Kinder in Polen gehorchen einerseits ihren Eltern mehr als anderswo. Andererseits sind sie gewohnt, dass Lernen ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist.

Ein Jahr brauchte sie, um Deutsch zu lernen, zwei Jahre später absolvierte sie die Matura. Ein Dolmetsch-Studium (Deutsch, Russisch, Polnisch) kombiniert mit Wirtschaftsstudium folgte.

"Sprache ist ein wichtiger Faktor für Integration", weiß sie aus eigener Erfahrung. Es wäre daher gut, wenn die Menschen, die nach Österreich kommen in diesen Belangen noch besser unterstützt würden.

Dass sie sich ausgerechnet in einen Polen verliebte und diesen auch heiratete, habe wenig mit dessen Nationalität zu tun gehabt. "Mir gefiel unter anderem sein Drang zum Arbeiten, das war mir von meinen Eltern her vertraut", sagt Izdebska.

1999 gründeten der Wirtschaftsinformatiker Damian Izdebski, der ebenfalls erst mit 16 Jahren nach Österreich gekommen war, und seine Frau Aleksandra ihre eigene Firma im 20. Wiener Gemeindebezirk, ein kleines Fachgeschäft für Computer und IT-Dienstleistungen. Das Geld für die Gründung bekamen sie von einem befreundeten Arzt geliehen, "der wusste, dass wir richtig reinbeißen konnten."

Was sie auch taten: 2001 bauten die Izdebskis parallel zum lokalen Geschäft einen Online-Handel auf, 2005 starteten sie mit der Computer-Eigenmarke Dimotion. Zehn Jahre nach der Gründung beschäftigt Ditech in elf Filialen österreichweit 250 Mitarbeiter, davon 23 Lehrlinge. Der Umsatz lag im Vorjahr bei 73,5 Millionen Euro.

Nicht nur wegen ihrer eigenen Geschichte, beschäftigt sich die Ditech-Chefin mit Integrationsfragen. Es geht ihr dabei vor allem um Fairness. "Menschen, die keinen Ehrgeiz haben, ihr Leben zu verbessern, werden sich immer und überall schwertun, sich zu integrieren", merkt sie kritisch an.

"Die Integrationsfrage hat aber nichts mit der Herkunft von Menschen zu tun", resümiert Izdebska. "Sondern mit der Zugehörigkeit, die wir ihnen bieten können." (Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe, 12. November 2010)

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