Kaltenegger: "Nicht auf den Teppich spucken"

11. November 2010, 18:03
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Der türkische Botschafter habe die Republik Österreich beschimpft, sagt ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger

ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger ist empört: Der türkische Botschafter habe die Republik Österreich und die Österreicher beschimpft. Dem Gastgeber spuckt man nicht auf den Teppich, sagt Kaltenegger im Gespräch mit Michael Völker.

Standard: Muss der türkische Botschafter sofort weg, wie es die "Krone" fordert?

Kaltenegger: Sein Verhalten und die Aussagen sind absolut inakzeptabel. Er ist sich seiner Rolle als Gast in unserem Land offenbar nicht bewusst. Er hat den Integrationsbemühungen der türkischstämmigen Österreicher einen absoluten Bärendienst erwiesen. Und er hat in einer unakzeptablen Weise die Republik Österreich und die Österreicherinnen und Österreicher beschimpft.

Standard: Hat der Botschafter nicht auch ein paar Wahrheiten angesprochen?

Kaltenegger: Er hat von Toleranz gesprochen. Im Bereich Integration ist falsch verstandene Toleranz der falsche Weg. Es geht um Respekt, und es geht um gegenseitigen Respekt auch der Kulturen. Gerade diesen Respekt hat Botschafter Tezcan aber vermissen lassen. Wenn man eingeladen wird, ins Haus gebeten wird und mit einem freundlichen Händedruck empfangen wird, spuckt man dem Gastgeber nicht auf den Teppich.

Standard: Was hat er denn so Schreckliches gesagt?

Kaltenegger: Er hat höchste Würdenträger und Amtsträger der Republik beschimpft, in einer Art und Weise, die einem Botschafter eines Landes nicht zusteht. Das ist nicht akzeptabel.

Standard: Fordern Sie seine Abberufung?

Kaltenegger: Das liegt in der Verantwortung von Ankara.

Standard: Noch einmal: Hat er nicht auch ein paar Wahrheiten angesprochen?

Kaltenegger: Es braucht keinen Botschafter und vor allem nicht diese Art und Weise, um das Integrationsthema anzusprechen. Natürlich gibt es viele Punkte, die zu diskutieren sind. Wir brauchen konkrete Antworten und Umsetzungsschritte. Das wesentliche Thema ist die Bildung. Das ist ja kein Problem der Türken allein. Beim Zugang zur Bildung darf es keine Hindernisse geben. Der Zugang zu Bildung braucht eines: Deutsch als sprachliche Grundlage, um im Bildungssystem weiterzukommen, die entsprechenden Abschlüsse zu machen, um dann auch am Arbeitsmarkt die gleichen Chancen vorzufinden, wie andere Menschen in Österreich.

Standard: Haben Sie das Gefühl, dass beim Thema Integration im Land zu wenig passiert?

Kaltenegger: Probleme gibt es in den Ballungsräumen, insbesondere in Wien. Da ist der Handlungsbedarf am größten. Die neue rot-grüne Stadtregierung muss das Integrationsthema ganz oben auf die Agenda setzen. Schöne Ankündigungen reichen da nicht mehr. In Wien gibt es in bestimmten Vierteln eine Ghettoisierung. Der Wohnungsmarkt darf nicht zu einer Negativ-Selektion im Integrationsbereich führen. Die Stadtregierung missbraucht Wohnpolitik als politisches Instrument: Ich geb dir eine Gemeindebauwohnung, du gibst mir deine Stimme. Das muss aufhören. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 12. November 2010)

Zur Person

Fritz Kaltenegger (39) ist seit 2008 Generalsekretär der ÖVP.

  • Fritz Kaltenegger im Interview.
    foto: der standard/andy urban

    Fritz Kaltenegger im Interview.

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