Mangel an Sensibilität

10. November 2010, 18:40
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Geht doch: Jetzt gibt es also eine Lösung im Fall des autistischen Jugendlichen. Die angeblich "nicht gesprächsbereite" und ergo delogierte türkische Familie bekommt über den Fonds Soziales Wien eine neue Bleibe und darüber hinaus exakt zugeschnittene Betreuungsangebote. Dafür mussten Nachbarn im Gemeindebau bis zum OGH ziehen und die Medien den Fall anprangern.

Warum es überhaupt dazu kommen musste, ist eine Frage, die wohl nur der städtische Hausverwalter Wiener Wohnen beantworten kann. Dass dort nicht immer sensibel und sorgsam gewerkt wird, war schon mehrfach zu bemerken. Das Kontrollamt der Stadt Wien kritisierte im Vorjahr ungerechtfertigte Preiserhöhungen, fehlende Kalkulation und Verletzung der Sorgfaltspflicht durch den Geschäftsführer.

Den hat Wohnbaustadtrat Michael Ludwig mittlerweile geschasst. Das Problem ist aber damit nicht behoben. Wie sonst ist zu erklären, dass die städtische Hausverwaltung einen politisch derart sensiblen Fall so eskalieren lässt? Aus Desinteresse, Ignoranz oder um klammheimlich Vorurteile gegen "die Türken" zu bedienen? In jedem Fall muss Ludwig Konsequenzen ziehen - wenn er seine Chancen auf die Nachfolge Michael Häupls wahren möchte.

Bis jetzt agierte er in der Causa linkisch, er argumentierte bürokratisch und zuweilen wenig lösungsorientiert. Wer eine Millionenstadt führen will, sollte aber in Dimensionen denken, die über den Gemeindebau hinausgehen. (Petra Stuiber, DER STANDARD-Printausgabe, 11.11.2010)

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